Kritik zu Drei Schritte zu dir

© Universal Pictures

In seinem Spielfilmdebüt erzählt Justin Baldoni (»Jane the Virgin«) von einem Teenagerpaar, das an einer seltenen und todbringenden Krankheit leidet

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Normalerweise stecken Kranke gesunde Menschen an. Bei Patienten mit zystischer Fibrose (ZF), auch bekannt als Mukoviszidose, ist das anders. Infizierte können sich gegenseitig anstecken. Die Krankheit, die nur mit aufwendigen Vorkehrungsmaßnahmen in Zaum gehalten werden kann, verläuft dann tödlich. Das ist die Ausgangssituation der Geschichte von Stella und Will, zwei ZF-kranken Teenagern, die sich ineinander verlieben – aus Ansteckungsgründen aber die im Titel genannten »drei Schritte« Abstand zueinander halten müssen.

Was sie nicht dürfen, törnt sie erst recht an. Trotz diesem Klischee funktioniert die Geschichte streckenweise recht gut. Das liegt am witzigen Rollentausch. Will, gespielt von Cole Sprouse, ist ein sensibler Chaot mit weiblichen Zügen, der sich zunächst seinem Schicksal ergibt. Dagegen bekämpft Stella (Haley Lu Richardson) die Krankheit mit einer zwangsneurotischen Ordnungswut, die man bis hin zum Waschzwang eher aus dem männlichen Verhaltensregister kennt. Während Will als Comiczeichner noch analog unterwegs ist, funkt Stella auf digitalen Kanälen und hält ihre YouTube-Follower über ihren Krankheitsverlauf auf dem Laufenden. Zielgruppen-Teenager werden dieses Leiden erstrebenswert finden – nur damit sie auch solche coolen Posts absetzen können.

Dabei führt der Film auch unappetitliche Details dieser Krankheit vor Augen. Es entsteht so eine Balance zwischen romantischer Liebesgeschichte und trauriger Realität. Im Gegensatz aber zu dem furiosen Krankenhaus-Melo »Lieber leben« von Grand Corps Malade und Mehdi Idir, das mit arabischstämmigen Charakteren aus den Pariser Banlieues überrascht, ertrinkt das Regiedebüt von Justin Baldoni (als Rafael in der Serie »Jane the Virgin« bekannt geworden) in der letzten halben Stunde dann doch im Kitsch. Schade eigentlich. Denn in diesem Film, einem Spinn-off seiner dokumentarischen TV-Serie »My Last Days« über Todkranke, wäre mehr drin gewesen.

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