Kritik zu Die Widerständigen: Also machen wir das weiter

Filmclip (Berlinale)

2015
Original-Titel: 
Die Widerständigen: Also machen wir das weiter
Filmstart in Deutschland: 
07.05.2015
L: 
87 Min
FSK: 
keine Beschränkung

Ula Stöckl hat das dokumentarische Werk der 2012 verstorbenen Katrin Seybold (Die Widerständigen: Zeugen der Weißen Rose) fortgeführt

Bewertung: 4
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Vor 70 Jahren, am 29. Januar 1945, wurde der Chemiestudent Hans Konrad Leipelt im Gefängnis München-Stadelheim hingerichtet. Leipelt und einige seiner Kommilitonen hatten nach der Ermordung von Sophie und Hans Scholl mitgeholfen, die Verteilung der Flugblätter, deren Verfasser ihnen nicht bekannt waren, in weitere deutsche Städte zu organisieren. »Also machen wir das weiter«, so erinnert sich die vor dem Volksgerichtshof mitangeklagte Marie-Luise Schultze-Jahn an diesen Entschluss, der auch sie fast das Leben gekostet hätte.

Der Film schreibt die von Katrin Seybold im Jahr 2008 vorgestellte Dokumentation über die Weiße Rose und ihr Umfeld fort (epd Film 2/2009). Die Interviews mit den letzten Zeugen der Ereignisse hat die Regisseurin zwischen 2000 und 2004 geführt, einige von ihnen sind in der Zwischenzeit verstorben. Nach dem Tod von Katrin Seybold im Jahr 2012 brachte Ula Stöckl das Projekt zu Ende. Zu Wort kommen Menschen, die sich auch von den drakonischen Strafen des sogenannten Volksgerichtshofs nicht davon abschrecken ließen, die Arbeit der Initiatoren fortzusetzen.

Hatte Katrin Seybold in ihrem Film aus dem Jahr 2008 die Aussagen der Zeitzeugen mit deren Jugendfotos, Originaldokumenten sowie Fotos von Tätern und Tatorten illustriert, so verzichtet Ula Stöckl fast durchweg auf ergänzende Materialien. Nur einige Passagen aus dem letzten Flugblatt und kurze Informationen zum historischen Kontext werden eingeblendet. Die Konzentration auf die Gesichter der Interviewten mag konventionell und statisch erscheinen, die Lebendigkeit ihrer Erzählungen kommt dabei aber umso deutlicher zum Tragen.

Die Widerständigen: Also machen wir das weiter ist »oral history« im besten Sinn, ein historisches Dokument, das den Verhörprotokollen der Gestapo – den neben den Flugblättern einzigen schriftlichen Dokumentationen der damaligen Ereignisse – nicht das letzte Wort lässt.

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