Kritik zu Die drei ??? – Toteninsel
Im dritten Teil der neuen Filmreihe über das populäre Detektiv-Trio aus Rocky Beach verschlägt es die Nachwuchsermittler auf eine verfluchte Pazifik-Insel
»Wir übernehmen jeden Fall« – so lautet das Motto der drei Detektive Justus Jonas (Julius Weckauf), Peter Shaw (Nevio Wendt) und Bob Andrews (Levi Brandl), die im fiktiven kalifornischen Küstenstädtchen Rocky Beach mysteriöse Fälle lösen. Zum Leidwesen der anderen beiden nimmt insbesondere der Erste Detektiv Justus dieses Credo sehr ernst, was dann oft genug die Freizeitplanung der Nachwuchsermittler durchkreuzt. So auch im aktuellen Film: Eigentlich wollten sich die Jungs auf einen Roadtrip durch Kalifornien begeben, doch dann ruft sie eine heisere Stimme in ihrer Zentrale an und droht damit, dass es Tote geben wird, wenn sie nicht schleunigst das »Rätsel der Sphinx« lösen. Insbesondere Justus, das altkluge Mastermind des Trios, ist sofort Feuer und Flamme.
Und so stürzen sich die drei in ein wildes Abenteuer, das sie von ihrer Zentrale auf dem Schrottplatz, pardon, Gebrauchtwarencenter, von Justus' Onkel Titus (Florian Lukas) bis nach Mikronesien auf die sagenumwobene Insel Macatao verschlägt. Liegt ein düsterer Fluch auf der Insel? Warum hat der zwielichtige Unternehmer Joseph Hadden (Simon Kluth) so ein großes Interesse daran? Wer steckt hinter dem grabräuberischen Geheimbund namens »Sphinx« unter der Leitung des gruseligen Professor Phoenix? Unversehens landet einer der drei Detektive an Bord eines Expeditionsschiffes mit Kurs auf die Toteninsel und ein gefährliches Doppelspiel beginnt.
Wie bereits der Vorgänger (»Die drei ??? und der Karpatenhund«) basiert »Toteninsel« auf einem unter Fans beliebten Fall der populären (Hör-)Buchreihe, der 2001 als Fall Nummer 100 erschienen ist. Stamm-Autor André Marx, der die Vorlage verfasst hat, war als dramaturgischer Berater beteiligt, was man dem Film anmerkt. Kenner des Originals (vor allem des Hörbuchs) werden verblüfft feststellen, wie genau manche Personen, Dialoge und Szenen umgesetzt wurden. In puncto Casting sind den Machern einige Volltreffer gelungen: die Sphinx-Mitglieder Professor Phoenix (Andreas Pietschmann), Dr. Maria Svensson (Katja Lechthaler) und Juan (Pascal Buchsbaum) wirken fast wie 1:1 der Vorlage entsprungen. Einige Nebenrollen sind zum Beispiel mit Jannik Schümann als Olin oder Jördis Triebel als Tante Mathilda immerhin prominent und erfrischend besetzt.
Zwar sind alle Zutaten eines klassischen Abenteuers à la »Indiana Jones« vorhanden – verlassene Ruinen, eine rätselhafte Geheimorganisation, undurchsichtige Auftraggeber und ein mysteriöser Schatz –, aber der Grusel- und Actionfaktor hält sich in Grenzen, so dass sich der Film auch für jüngere Zuschauer in Begleitung von Erwachsenen eignet. Grundsätzlich ist die »Toteninsel« ein guter Kompromiss: Jungen Neueinsteigern, die gerne Abenteuerfilme gucken, wird genug erklärt, damit sie ohne Vorwissen in das »???«-Universum einsteigen können. Und altgedienten Fans werden ausreichend Eastereggs angeboten, um bei der Stange zu bleiben.
Schade nur, dass die politische Brisanz der Vorlage zugunsten einer wesentlich harmloseren Aufklärung des Falls abgeschwächt wurde. Steckt im Original eine groß angelegte und durchaus schlüssig erzählte Verschwörung der US-Regierung hinter dem Geheimnis um Macatao, so ist die Auflösung hier recht unspektakulär. Das wird nicht nur Fans enttäuschen, sondern hinterlässt sicherlich auch bei Neueinsteigern einen etwas schwachen Eindruck. Da der Film ansonsten so werkgetreu geblieben ist, hätte man die Geschichte durchaus in der ursprünglichen Fassung erzählen können, ohne dass das ohnehin eher unrealistische Gesamtsetting darunter gelitten hätte. Vermutlich hat man den jungen Zuschauern so viel Ernsthaftigkeit und Gesellschaftskritik nicht zugetraut. Es lohnt sich also durchaus, die Kopfhörer aufzusetzen und (nochmal) das Original anzuhören.





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