Kritik zu Das Haus der Krokodile

© Constantin

Drei Geschwister allein zu Haus: Basierend auf dem gleichnamigen Roman von Helmut Ballot erzählen Cyrill Boss & Philipp Stennert von einer geheimnisvollen Schatzsuche, die ihren Ausgang bei einem ausgestopften Krokodil nimmt

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Am Rande der Stadt thront ein altes ehrwürdiges Stadthaus, von einigen Mietern bereits seit Jahrzehnten bewohnt. Hier zieht Viktor mit seiner Familie ein, in die Wohnung seines Großonkels. Die ist noch nicht komplett ausgeräumt und das verleitet Viktor dazu, in den alten Sachen zu stöbern, die verlockende Geheimnisse zu bergen scheinen. Alte Trophäen und Mitbringsel von Onkels Reisen, die Wand vollgehängt mit geschichtsträchtigen Familienbildern und: ein ausgestopftes Krokodil. Und dann gibt es da noch ein Tagebuch in Form eines Skizzenbuches, mit wunderschönen, rätselhaften Zeichnungen.

Offensichtlich hatte der Onkel eine Tochter,  Cäcilie, die jedoch auf mysteriöse Weise mit 11 Jahren ums Leben kam – ein Detail, das bisher in der Familienchronik ausgeblendet wurde. Ihr Tagebuch zieht den Jungen nun mehr und mehr in seinen Bann und er stellt Nachforschungen an, was sich vor vierzig Jahren in diesen Gemäuern wohl abgespielt haben mag. Viktors zwei größere Schwestern sind einige Tage mit ihm allein, interessieren sich aber nicht im Geringsten für seine detektivischen Recherchen, und das nächtliche Auftauchen einer dubiosen Gestalt in der Wohnung schreiben die Schwestern Viktors reger Fantasie zu. Er ist also ganz auf sich allein gestellt.

Eine klassische Schatzsucherstory. Viktor weiß zwar nicht so recht, was er sucht, aber er entdeckt immer wieder ein kleines Puzzleteilchen, das ihn einer Lösung näherbringt, und da offenbar noch jemand hinter dem Tagebuch her ist, muss es ein großes Geheimnis wahren – musste Cäcilie deshalb sterben? Das Haus bietet mit seinen knarzenden Treppen, dem Kohlenkeller und vollgestellten Speicher den idealen Schauplatz für alle möglichen Imaginationen. Dem Regieduo Cyrill Boss und Philipp Stennert gelingt es mittels ungewöhnlicher Durchblicke und versteckter Kamerapositionen, eine perfekte Spannung zu erzeugen. Auch die Geräusche des alten Hauses geben einige Schrecksekunden her, ganz abgesehen von dem ungenutzten Lastenaufzug, der noch begehbar ist. Hier wird kompetent mit den bekannten Topoi der Schatzsuche gespielt. Viktor verzichtet darauf, mit schicken IT-Gerätschaften zu hantieren. Auf eine erfrischende Art ist er ein eher rückwärtsgewandter Junge, der mit seinem selbstgestrickten Ninja-Pulli ein wenig aus der Zeit gefallen scheint. Das Tagebuch in logischen Schlussfolgerungen dechiffrierend, immer dem Motiv des Krokodils folgend, nähert  sich Viktor der Wahrheit Schritt für Schritt.

Aber nicht nur auf der Spannungsebene ist hier ein überzeugender Kinderfilm entstanden, sondern auch in der Figurenkonstellation blitzen reale Familienverhältnisse auf. Die drei Kinder – Louise ist immerhin schon 21 – sind auch im richtigen Leben Geschwister, ein eingespieltes Team, bei dem man das Gefühl hat, dass sie die Dialoge streckenweise selber entwickeln durften, so authentisch nah sind diese an der heutigen Jugendsprache. Die Lösung des Rätsels lässt Viktor über sich selber hinauswachsen – und endlich kann er auch seinen alten Pulli abstreifen.

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