Kritik zu Darkland

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In dem dänischen Rachethriller muss sich ein erfolgreicher Arzt fragen, wie weit er zu gehen bereit ist, um den Mord des Bruders zu sühnen

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Dem Rest der Welt gelten die skandinavischen Länder oft als sonniges, aufgeräumtes Ideal sozialstaatlicher Gemütlichkeit. In ihrer Krimikultur aber pflegen sie ein Selbstbild voll Düsternis, Gewalt und Perversion. »Darkland« nimmt darauf schon im Titel Bezug. Der Film des Dänen Fenar Ahmad setzt gleichermaßen die Vorbildgesellschaft und das Krimimilieu gegeneinander: Im Zentrum steht der Arzt Zaid (Dar Salim), der es als Kind irakischer Einwanderer weit gebracht hat. Geachtet in seinem Job, beliebt bei seinen Freunden, erwartet er mit seiner Frau Stine (Stine Fischer Christensen) das erste Kind.

Ihre gemeinsame Wohnung liegt in der prestigeträchtigen »Gemini Residence« in Kopenhagen, die einen spektakulären Hintergrund abgibt für Zaids Auseinandersetzung mit seinem jüngeren Bruder Yasin (Anis Alobaidi). Wo Zaid das Musterbeispiel einer erfolgreichen Integration abgibt, entspricht Yasin dem gegenteiligen Klischee: Schon in der ersten Szene des Films sah man ihn bei einem Banküberfall die Nerven verlieren. Zwar konnte er sich selbst, nicht aber die Beute retten. Nun steht er vor Zaids Tür und behauptet, dringend 100 000 Kronen zu brauchen, er stecke in der Scheiße. Zaid lehnt ab, drängt den wimmernden Bruder aus der Wohnung in den gläsernen Aufzug des architektonisch imposanten Treppenhauses und blickt ihm sorgevoll nach. Es wird das letzte Mal sein, dass er ihn am Leben sah.

Wie die Eltern seiner Helden kamen auch die des Regisseurs Fenar Ahmad vor über dreißig Jahren aus dem Irak nach Dänemark. Doch die autobiografischen Einflüsse aufs Drehbuch beschränken sich auf wenige Szenen. Da ist Zaids prekäre Stellung zwischen den Gesellschaftsschichten: Sein Vater nimmt ihm übel, dass er sich für den Nahen Osten nicht mehr interessiere, der Sohn hält dem Vater vor, seit 30 Jahren nur auf dem Sofa vor dem Fernseher zu sitzen und das umgebende Dänemark nicht wahrzunehmen. Alte Freunde, denen er bei der Suche nach Yasins Mördern begegnet, werfen ihm vor, als »Weißer« seine Ursprünge verraten zu haben. Doch eigentlich bleibt das Ausländer- und Integrationsthema dem Film äußerlich. Im Zentrum nämlich steht Zaids Reue – und der Rachezug, zu dem sie ihn inspiriert.

In kalten Farben, mit wenigen, knappen Dialogen konzentriert sich »Darkland« bald auf Zaids Verwandlung vom braven Arzt zur maskierten Rächergestalt. Mit Boxunterricht präpariert er sich für körperlichen Auseinandersetzungen und nimmt keine Rücksicht mehr auf seiner Suche nach dem Untergrundboss Semion (Ali Sivandi), den er für den Tod des Bruders verantwortlich macht. In seinem musikalischen Rhythmus, der lange ruhige Szenen mit solchen von schneller, expliziter Gewalt abwechselt, erkennt man, dass Ahmads Interesse weniger der Milieuschilderung gilt als dem Nacheifern der popkulturellen Vorbilder von »Punisher« bis »Drive«. Mit Dar Salim in der Hauptrolle verfügt er über einen Schauspieler, der mit seinem sowohl stoischen wie auch expressiven Gesicht die nötige brütende Nachdenklichkeit dafür mitbringt.

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