Kritik zu Buck – Der wahre Pferdeflüsterer

© NFP

2011
Original-Titel: 
Buck
Filmstart in Deutschland: 
31.05.2012
V: 
L: 
88 Min
FSK: 
Ohne Angabe

Eine Geschichte der Inspiration: Als die Designerin und Künstlerin Cindy Meehl den »Pferdeflüsterer« Buck Brannaman kennenlernte, wechselte sie das Medium und drehte ihr Dokfilmdebüt, das Biografie und Kulturgeschichte vere

Bewertung: 4
Leserbewertung
0
Noch keine Bewertungen vorhanden

Ich helfe nicht Menschen, die Probleme mit Pferden haben, sondern Pferden, die Probleme mit Menschen haben«, erklärt Dan M. Brannaman zu Beginn. Und am Ende, wenn die Logik der Dramaturgie die Zähmung eines besonders widerspenstigen Pferds vorsieht, sagt Brannaman: »Das Pferd ist ein Spiegel deiner Seele.

Buck ist der Spitzname von Brannaman, der Nicholas Evans zur fiktiven Geschichte vom »Pferdeflüsterer« inspiriert hat und bei Robert Redfords Verfilmung 1998 assistierte. Redford, sagt Buck, habe während der Dreharbeiten Talent gezeigt, wenn es mit den Filmen mal nicht mehr laufe, könne der durchaus ein Auskommen als »Horseman« finden. Auf solche Anekdoten ließe sich Meehls Porträt von Buck Brannaman reduzieren – gepaart mit einer schwierigen Biografie, beeindruckenden Lassotricks und ein paar Lebensweisheiten (»Alles, was du mit dem Pferd machst, ist ein Tanz«). Ästhetisch sucht der Film zwischen den talking heads zwar die Schönheit der Landschaft, bleibt aber konventionell, wo Bilder immer von stimmungsadäquater Musik unterstützt werden und man den kapitelhaften Schnitten schon die Werbepausen ansieht, die das Fernsehen schalten kann.

Und doch ist Buck ein faszinierender Film. Weil er weiter führt, als die Reflexion über die Lebensgeschichte eines besonderen Menschen reicht. Buck spielt im Echoraum jener amerikanischen Mythen, die Kino und Populärkultur erzählt haben. Die Beschreibungen der frühen Jahre als Kinderstar in Westernshows, gemeinsam mit Bruder Smokie, angetrieben vom gewalttätigen Vater, erinnern an Michael Jacksons Tragödie. Nach dem Tod der geliebten Mutter findet Buck eine Pflegefamilie und in Ray Hunt einen Ersatzvater. Hunt (1929 – 2009) steht als Schüler in der Traditionslinie einer »natürlichen Reitkunst«, deren Begründer Tom Dorrance (1910 – 2003) war und die Buck als Enkel nun mediatisiert.

Damit öffnet sich eine Erzählung, die größer ist als eine Biografie und in der das Pferd nur ein Medium ist. Die Zurichtung der Natur, wie Buck sie sensibel kommunizierend am Pferd betreibt, erscheint als eine Art Parallelgeschichte zur Landnahme, wie sie der Western als Genre verhandelt. In dieser Parallelgeschichte wird der gewalttätige erste Mythos korrigierend befriedet, und wenn Buck sagt, Pferde könne man nicht mit Möhren bestechen, Korruption wirke bei Pferden nicht, dann steckt darin auch ein Hinweis an Washington und die Wall Street.

Die politische Dimension des Films liegt in der Travestie von Optimierungsformaten zur Lebenshilfe, wie man sie aus dem Fernsehen kennt. Buck erzieht maßvoll, mit einem Programm, das auf Eleganz zielt als vollendete Haltung des Menschen, als seinen einzig richtigen Ort in Bezug zu seiner Umwelt. Eine Schülerin des Therapeuten Buck – oder besser: des Heilers; die Figur hat durchaus kryptoreligiöse Aspekte – erklärt, dass aus dem richtigen Umgang mit Pferden etwas für den Umgang mit dem Gatten, den Kindern, Fremden gelernt werden kann. Man könnte auch sagen, Buck träumt den Traum von einem Kapitalismus mit menschlichem Antlitz.

Meinung zum Thema

Ihre Meinung ist gefragt, Schreiben Sie uns