Kritik zu Booksmart

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In ihrem hochgelobten Regiedebüt erzählt Olivia Wilde von zwei nerdigen Schülerinnen, die endlich auch einmal Spaß haben wollen

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Wenn bei amerikanischen Highschool-Komödien Jungs im Mittelpunkt stehen, sind sie meist nerdig-tollpatschig (»Superbad«), während bei den Mädchen Zickigkeit und Snobismus eine große Rolle spielen (»Mean Girls«). Umso interessanter ist der Ansatz der Schauspielerin Olivia Wilde in ihrem Regiedebüt »Booksmart«. Sie versucht darin, die Genre-Konventionen gegen den Strich zu bürsten. Das beginnt mit den beiden Hauptfiguren, den besten Freundinnen Molly (Beanie Feldstein) und Amy (Kaitlyn Dever). Sie sind so nerdig, wie normalerweise die Jungs, wirken anders als diese aber nicht wirklich sympathisch, sondern wie klassische Streber: Sie verstehen sich bestens mit ihrer Lehrerin, strafen ihre Mitschüler mit Überheblichkeit und gehen jedem auf die Nerven. Das ficht die zwei aber nicht an. Der Highschool-Abschluss steht bevor, und dann wird sich ja zeigen, wer die aussichtsreichere Zukunft hat.

Umso größer ist der Schock, als die verachteten Party People sich keineswegs als die Loser erweisen, für die die beiden sie hielten: Die eitlen Klassenschönheiten haben Studienplätze an Eliteunis und der coole Kiffer wurde direkt als hoch bezahlter Programmierer engagiert. Schlagartig wird den Bücherwürmern klar, was sie verpasst haben. Sie beschließen, in ihrer letzten Highschool-Nacht all die versäumten Partyjahre nachzuholen.

Ganz klar, dass die nächtliche Nerd-Odyssee durch die diversen Abschlussfeiern allerlei Überraschungen bereithält – insbesondere was die Vorurteile gegenüber einzelnen Mitschüler betrifft. Der arrogante Quarterback erweist sich als sympathisch-unprätentiöser Typ, die hübsche Zicke ist eine sensible Lesbe, das großmäulige Flittchen ein Opfer von Rufmord, der superreiche Aufschneider ein einsamer Schöngeist und seine oberflächliche Schwester eine loyale Freundin.

Doch so sympathisch das zunächst wirkt, liegt genau darin das Problem des Films. »Book­smart« ist viel zu nett und versöhnlich, um wirklich etwas wahrhaftiges über jugendliche Lebenserfahrungen zu erzählen. Es gibt keine Häme, keine Cliquen und keinen Rassismus in der bürgerlichen weißen Welt des Films. Nicht einmal Amys offene Homosexualität macht sie zu einer Zielscheibe, und selbst ein heftiger, öffentlich ausgetragener Streit der Freundinnen mündet ohne größere Umschweife in eine Versöhnung. »Können wir nicht einfach alle miteinander auskommen?«, scheint Wilde zu fragen, und die ehrliche Antwort müsste lauten: »Schön wär's ...«

Wilde orientiert sich zwar an den Klassikern des Genres, aber ihr Film ist weder so frivol wie »American Pie«, noch so smart wie »Superbad«, so bissig wie »Mean Girls« oder so satirisch wie »Clueless«. Mit gutem Willen könnte man »Book­smart« einen romantischen Traum nennen. Es gibt ein paar hübsche Ideen und das große Plus sind die charismatischen jungen Schauspieler. Aber beim Versuch, bekannte Motive neu aufzuziehen, hat Wilde vor allem eines getan: jugendliche Lebenswelten glatt gebügelt.

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