Kritik zu Baywatch

© Paramount Pictures

Die roten Swimsuits sind wieder da! In einer überraschend selbstironischen Parodie der einstigen Kultserie müssen sie, angeführt vom supercoolen Dwayne Johnson, mal wieder die Welt retten

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Einstmals Malibu und Hawaii, jetzt also Florida. Aber braucht der Baywatch-Strand tatsächlich eine geografische Verortung? Ist er nicht eigentlich in einem künstlichen Urlaubsdaueridyll angesiedelt, in dem nicht nur Sand, Sonne und Rundungen perfekt sind, sondern auch Action und Dramatik geboten werden, Happy End inklusive? Der neue Film jedenfalls, 15 Jahre nach dem Ende der seinerzeit ungeheuer langlebigen Serie als fröhliche Mischung aus Reboot, Mash-up und Sequel angelegt, weiß sehr genau um die – je nach Perspektive – artifiziellen Qualitäten bzw. Schwächen seines Sujets. Mit leidenschaftlicher Hingabe kreiert er einen Mikrokosmos, ein Feuerwerk der »Baywatch«-Zeichen, das halb als Hommage, halb als Spoof daherkommt und dabei nicht eine Sekunde über die eigene Relevanz nachdenkt, sondern es ähnlich wie einst die »Nackte Kanone« oder »National Lampoon« auf pure Alberei abgesehen hat.

In der ersten Hälfte erweist sich Regisseur Seth Gordon, ein Spezialist für mittlere Hollywoodkonfektion wie »Kill the Boss«, durchaus als temporeicher Stilist, der auf grelle Schauwerte und ihre ironische Brechung setzt. Mit Sinn für die typischen Details des Franchises etabliert er eine regelrecht brodelnde Bay, in der die Rettungsschwimmer rund um die Uhr voll gefordert werden. Die Situationen sind dabei – auch dank des rasanten Wechsels von Zeitraffer zu radikaler Verlangsamung – einerseits komplett »over the top«, andererseits absichtlich banal, so dass eigentlich nur pure Comedy entstehen kann. Als zum x-ten Mal eine rassige Blondine im roten Swimsuit in Slow-Motion auf die Kamera zugejoggt kommt, fragt einer der Typen am Strand, wieso diese Frau eigentlich immer in Zeitlupe zu sehen sei. Immer wieder springt der Film auf solche Metaebenen und schafft so eine Atmosphäre des »Anything goes«.

Der Plot ist da eher nebensächlich. Anfangs kreist er um die Einarbeitung dreier neuer Mitglieder des Baywatch-Teams, wobei einer von ihnen, der arrogante ehemalige Olympia-Star Matt Brody (Zac Efron), dem superkorrekten »Lieutenant« Mitch Buchannon (als Hasselhoff-Nachfolger ein Fels in der Brandung: Dwayne Johnson) zwangsweise aufs Auge gedrückt wird. Matt erweist sich trotz seines Astralkörpers als ebenso überheblich wie unfähig und gerät ein ums andere Mal sogar gegenüber dem pummeligen Ronnie Greenbaum (Jon Bass), einem weiteren Rookie, ins Hintertreffen. Ronnie ist für die Gags aus der Abteilung Vulgärkomik zuständig, er klemmt sich sein Gemächt vor aller Augen in einem Lattenrost ein oder gerät im Angesicht einer Beach-Beauty aufs Peinlichste aus der Fassung.

An seine Grenzen stößt das locker-flockige Konzept in der zweiten Hälfte, wenn der Handlung eine Krimistory um Drogen und Immobiliengeschäfte übergestülpt wird. Das Problem ist weniger, dass dieser Plot komplett hanebüchen ist – das ist der Rest des Films schließlich auch –, sondern eher, dass Buch und Regie die Luft ausgehen, sobald Mitch & Co. jenes Paradies der Unwahrscheinlichkeit verlassen, das eigentlich ihre wahre Heimat ist.

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