Kritik zu By Any Means

© Plaion Pictures

Ein Mobster und ein FBI-Agent sollen im Mississippi der Sechziger den Mord an einem Bürgerrechtler aufklären – in einem Film, der vor allem von der Präsenz seiner Hauptdarsteller lebt.

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In Alan Parkers Klassiker »Mississippi Burning« gibt es die berühmte Szene, in der ein Schwarzer FBI-Agent ein entführtes Ku-Klux-Klan-Mitglied mit grausamer Folter bedroht, um Informationen über einen Mord zu erhalten. Die Figur des Agenten basiert auf einer realen Person: Gregory Scarpa, einem berüchtigten New Yorker Mafiakiller, der im Auftrag des FBI seine »Fähigkeiten« bei dem Fall einsetzte – mit Erfolg.

In »By Any Means« bildet dieses äußerst brutale Verhör durch Scarpa (Mark Wahlberg) den Auftakt. Die Szene soll zwei Dinge klarmachen: Dieser Mann ist vollkommen skrupellos, aber er tut es für die gute Sache. Das hat man auch im Hinterkopf, als er wenige Jahre später erneut nach Mississippi reisen soll, um die Mörder eines Schwarzen Bürgerrechtlers ausfindig zu machen. Begleitet wird er von einem Schwarzen FBI-Agenten namens Wayne Strider (Yahya Abdul-Mateen II). »Sie sind also mein Fahrer«, begrüßt Scarpa den Mann, und steigt in den Fond des Wagens.

Nicht nur wegen des Sechzigerjahre- Settings wirkt diese Situation wie »Green Book« mit umgekehrten Vorzeichen – wobei es hier der kultivierte Schwarze ist, der von dem grobschlächtigen weißen Gangster etwas lernen muss: nämlich dass Anpassung und ethische Prinzipien einen im Ernstfall nicht weiterbringen. Damit ist auch schon das moralische Universum von »By Any Means« umrissen, dessen Titel Programm und Botschaft ist. Der Film besteht im Kern aus einer Reihe von Szenen, in denen Wahlbergs Gangster brachiale Gewalt anwendet, worauf der FBI-Agent mit Abscheu und Gesetzestreue reagiert – bis er endlich einsieht, dass Folter besser funktioniert als die Orientierung an Formalitäten.

Auch das kennt man aus dem thematisch nahezu identischen »Mississippi Burning«, wo Willem Dafoe von dem Raubein Gene Hackmann auf Linie gebracht wird. Doch während Parkers Film vielschichtige Milieus, komplexe Charaktere und nicht zuletzt markante Schurken entwickelt, bleibt »By Any Means« in jeder Hinsicht enttäuschend flach. Die Ku-Klux-Klan-Mitglieder sind austauschbare Knallchargen, die beiden Hauptfiguren werden durch ein paar klischeehafte Familienszenen charakterisiert, und die Aufklärung des Mordfalls dient weder als Rahmen für ein schwüles Südstaatenpanorama noch als Ausgangspunkt einer ungewöhnlichen Männerfreundschaft. Der einzige Lichtblick sind die Hauptdarsteller. Yahya Abdul-Mateen II (»Candyman«) spielt seinen um Unauffälligkeit bemühten FBI-Agenten mit nuancierter Intensität, während Wahlberg als New Yorker Italo-Gangster eine genussvolle Show jovialer Brutalität abzieht. Nur gibt das Drehbuch der Spielfreude keinen dramaturgischen Resonanzraum. Scarpas Einsatz bei dem Fall ist zwar gar nicht belegt, aber aus der Idee, dass sogar ein berüchtigter Mafiakiller im Angesicht des Ku-Klux-Klan etwas Heldenhaftes bekommt, hätte man ein provozierendes Polit-Pamphlet machen können. Hier nun wirkt Scarpa am Ende wie ein Bürokrat, der stupide seinen Job macht – um jeden Preis.

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