DVD-Tipp: »Uzala, der Kirgise« (1975)

»Uzala, der Kirgise« (1975). © Filmjuwelen

© Filmjuwelen

Die Geschichte einer ungewöhnlichen Freundschaft als ­Gedicht auf die Natur: Akira Kurosawas farbenprächtiges Epos »Uzala, der Kirgise« erscheint erstmals in deutscher Blu-ray-Edition

Anfang der 1970er Jahre befand sich Akira Kurosawa in einer tiefen künstlerischen wie persönlichen Krise. Auf das kommerzielle Desaster seines Films »Dodeskaden« und sein Ausscheiden aus dem Hollywood-Kriegsepos »Tora! Tora! Tora!«, das er zwei Jahre lang mit vorbereitet hatte, folgten Depressionen und ein Suizidversuch. Da kam ein überraschendes Angebot der Moskauer Mosfilm, die ihn für ein gemeinsames Projekt engagieren wollte. Seine Wahl eines Stoffs fiel nicht wie erwartet auf einen der großen russischen Romane, die er so schätzte, sondern auf die autobiografische Erzählung eines Forschungsreisenden: Wladimir Arsenjew erzählt in »Dersu Uzala« von seiner Begegnung und Freundschaft mit dem Taigajäger und Waldläufer Uzala, Anfang des 20. Jahrhunderts in den wilden Weiten des Ussuri-Gebiets, in das der zaristische Offizier auf Expedition entsandt worden war.

Zufällig stößt Arsenjews kleiner Trupp auf Uzala und engagiert ihn als Fährtenleser. Seine Kenntnis der Region und des Lebens in der Wildnis kommt der Expedition aber viel umfassender zugute, und Uzala wird zu Arsenjews Lebensretter, als sie in einen verheerenden Sturm geraten. Nach mehreren Jahren, in denen sie sich aus den Augen verloren haben, begegnen sie sich wieder – doch das Schicksal Uzalas nimmt eine traurige Wendung, als er einen Tiger tötet und sich danach von diesem verflucht fühlt: Seine Augen werden zu schwach, um in der Taiga zu bestehen . . .

Kurosawa erzählt von dem freundlichen Clash zweier unterschiedlicher Kulturen, die sich bei aller Verbundenheit doch stets auch fremd bleiben, mit epischem Atem und in prächtigen, immer wieder monumentalen Bildern. Doch das Monumentale spielt sich hier auf einer anderen Ebene ab als bei seinen japanischen Königsdramen und Schlachtengemälden: In der Wildnis droht die menschliche Gestalt stets zu verschwinden. »Der Mensch ist schwach, die Natur ist allmächtig«, wie Uzala einmal sagt. Und so erzählt der Film um seinen sparsamen Plot herum vor allem von der Größe und Macht der undurchdringlichen Wälder und endlosen Ebenen, zeigt reißende Ströme und alles Menschliche verwehende Stürme, in großartigen 70-mm-Sovscope-Bildern, die in der neuen Edition gut zur Geltung kommen. Vor allem gegen Ende seiner epischen Geschichte reflektiert Kurosawa auch über den Gegensatz zwischen Natur und Zivilisation und den Preis des Fortschritts. So melancholisch »Uzala, der Kirgise« aber ist, so erfolgreich war er auch international: 1976 gewann er den Oscar als bester fremdsprachiger Film.

Leider liegt das Booklet zur Blu-ray lediglich digital vor, es bietet aber jede Menge Informationen zu den Biografien sowohl Kurosawas als auch der realen Vorbilder der Geschichte und zur Produktion und Rezeption des Films. Die Disc bietet zudem insgesamt 20 Minuten Interviews mit Hauptdarsteller Juri Solomin, ein fünfminütiges Making-of und eine Minute Archivmaterial des echten Wladimir Arsenjew sowie einen Audiokommentar von Rolf Giesen.
 

Dersu Uzala Sowjetunion/Japan 1974. R: Akira Kurosawa. Da: Maxim Munsuk, Juri Solomin. L: 142 Minuten. Anbieter: Filmjuwelen.

VÖ: 16. Juli 2026

Bestellmöglichkeit (DVD)


Trailer

Meinung zum Thema

Ihre Meinung ist gefragt, Schreiben Sie uns

Mit dieser Frage versuchen wir sicherzustellen, dass kein Computer dieses Formular abschickt