Kritik zu Ananas Express

Trailer englisch © Sony Pictures

Kiffer auf der Flucht: Der Indie-Auteur David Gordon Green inszeniert die neue Komödie aus der Judd-Apatow-Factory. Das Drehbuch schrieben Seth Rogen und Evan Goldberg

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Judd Apatow muss man mittlerweile nicht mehr vorstellen. Ganz im Gegenteil: Nach einer regelrechten Flut von Erfolgsfilmen innerhalb der letzten zwei Jahre stand vielmehr zu befürchten, dass die Apatow-Formel schon bald Abnutzungserscheinungen aufweisen könnte. Mit »Ananas Express« aber, bei dem er als Produzent fungiert, hat der Mann einmal mehr die Kurve gekriegt. Die Story ist simpel: Ein dauerbekiffter Verlierertyp (Seth Rogen) wird Zeuge eines Mordes und muss für den Rest des Films gemeinsam mit seinem dauerbekifften Dealer (James Franco) vor den Killern flüchten.

Das klingt nun selbst für eine Buddykomödie nicht sonderlich originell. Die meisten Gags basieren auf der Idee, zwei reichlich weggetretene und nicht sonderlich helle Typen in mehr oder weniger stereotype Genresituationen zu bringen und zu schauen, wie sie damit umgehen. Dank der großartigen Darsteller funktioniert dieses Konzept über weite Strecken auch: Vor allem James Franco, der in dramatischen Rollen oft etwas hölzern wirkt, erweist sich als ein komödiantisches Ausnahmetalent. Sein Gespür für Timing und seine Fähigkeit, selbst die aberwitzigsten Dialogzeilen völlig ungerührt an den Mann zu bringen, sind, man kann es nicht anders sagen, brüllend komisch – vorausgesetzt natürlich, man hört ihn in der Originalfassung.

Der vielleicht größte Clou aber liegt diesmal in dem Regisseur, den die Clique für ihr Projekt gewinnen konnte: David Gordon Green, einen Terrence-Malick-Schüler, dessen leise »Smalltown«-Filme stilistisch von den urbanen Welten der Apatow-Comedys kaum weiter entfernt sein könnten. Diese Kombination klingt bizarr, macht aber durchaus Sinn. Wenngleich »Ananas Express« natürlich den Drehbuchideen von Seth Rogen und Evan Goldberg folgt, lebt der Film gleichermaßen von Greens Gespür für Charaktere und Orte, von seiner Fähigkeit, einen frischen Blick auf vermeintliche Comedy-Standardsituationen zu werfen und Poesie zu finden, wo man sie am wenigsten erwartet – was hier bedeutet: zwischen irrsinnigen Kiffermonologen und überzeichneten Verfolgungsjagden. Drohten Greens bisherige Filme ins Manieristische zu kippen, findet er in »Ananas Express« zu einer erfrischenden Lässigkeit.

Einer der originellsten inszenatorischen Einfälle besteht darin, den Zuschauer bis zum Schluss im Unklaren zu lassen, ob die surreal anmutenden Ereignisse in »Ananas Express« tatsächlich stattfinden, oder sich vielleicht doch nur in den Köpfen zweier filmbegeisterter Dopeheads abspielen. Im Tonfall changiert der Film zwischen Kiffertraum (Kugeln können den Jungs nichts anhaben), skurriler Genrehommage (ein bleihaltiger Showdown) und Stoner-Road-Movie (immer wieder müssen die zwei Helden sich gegenseitig daran erinnern, dass sie in Lebensgefahr schweben). So ist »Ananas Express« ein Gewinn für alle Beteiligten: James Franco etabliert sich als Comedy-Star, Apatow bekommt von Green das exzentrischste Werk seiner Producer-Filmographie, das Publikum amüsiert sich bestens, und David Gordon Green dürfte für seine kommenden Projekte freie Bahn haben.

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