Kritik zu The Age of Stupid

© Spanner Films

2009
Original-Titel: 
The Age of Stupid
Filmstart in Deutschland: 
22.09.2009
L: 
92 Min
FSK: 
Ohne Angabe

London ist überflutet, Las Vegas in der Wüste verschwunden, Sydney steht lodernd in Flammen. Es beginnt wie das neueste Endzeitspektakel von Roland Emmerich – nur dass die Spezialeffekte viel schlechter sind

Bewertung: 2
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Das hier präsentierte Katastrophenszenario sieht aus wie aus einem alten Videospiel: In einem Betonturm in der geschmolzenen Arktis sitzt im Jahr 2055 der letzte Überlebende des Klimawandels (Pete Postlethwaite) vor einem Computerbildschirm und guckt Nachrichtensendungen aus der Vergangenheit. Er will herausfinden, wie es trotz aller Vorwarnungen zu der Katastrophe kommen konnte. War der Mensch zu dumm, die Welt und sich selbst zu retten?

Betrachtet man »The Age of Stupid«, so kann man feststellen, dass sich das Gesicht des Katastrophenfilms, eigentlich eine Hollywood-Erfindung der siebziger Jahre (»Erdbeben«, »Flammendes Inferno«), grundlegend geändert hat. Um die Menschen zu erschrecken, muss die Bedrohung heute unmittelbarer sein. Was liegt da näher, als die Schrecken des Klimawandels und kapitalistischer Ausbeutung ambitioniert in einem Dokudrama mit wahren TV-Bildern und echten Schicksalen einzufangen? Der Paläontologe Alvin DuVernay berichtet von seinen Rettungsaktionen nach Hurricane Katrina. Die junge Layefa Malemi lebt in einer verarmten Region von Nigeria, die vom Ölkonzern Shell ausgebeutet wird. Der 82-jährige Bergführer Fernand Pareau beobachtet hautnah, wie die Gletscher in den Alpen schmelzen . . . Sicher ist so ein aufklärerischer Hilferuf, wie ihn die Regisseurin Franny Armstrong hier ausstößt, wichtig. Auch die Geschichten der Protagonisten sind erzählenswert. Und der Umstand, dass der Film unabhängig durch den öffentlichen Verkauf von Anteilen finanziert wurde, ist lobenswert. Als »mutig, provozierend und bedeutsam« bezeichnet der Pressetext den Film. Doch gerade diese gut gemeinte Haltung der besorgten Filmemacherin ist auf Dauer schwer erträglich. Ständig fuchtelt ihr moralisch erhobener Zeigefinger belehrend über dem Zuschauer. Das lässt der sich bestimmt nicht gefallen und geht stattdessen in den neuen Event-Film von Roland Emmerich, der den Weltuntergang schon großspurig für den 22. Dezember »2012« prognostiziert.

Meinung zum Thema

Kommentare

"Doch gerade diese gut gemeinte Haltung der besorgten Filmemacherin ist auf Dauer schwer erträglich."

Muss denn ihre Haltung erträglich sein? Die Aussicht auf eine solche (durchaus mögliche) Zukunft ist ja auch nicht erträglich.

Moral ist übrigens auch nichts Schlimmes, im Wesentlichen nämliche das Werturteil über eine Handlung, hier z.B. deiner und meiner - und der gesamten fossil-fuel-Zivilisation.

Jedenfalls nicht schlimmer als ein fragwürdiges (ästhetisches) Werturteil über einen Film, - nur weil dieser eine moralische Haltung zeigt.

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