Kritik zu 2 Gisht Mjaltë – Eine albanische Geschichte

© One Filmverleih

2019
Original-Titel: 
DY Gisht Mjaltë
Filmstart in Deutschland: 
23.05.2019
L: 
101 Min
FSK: 
12

Vollbusige Blondinen, eifersüchtige Jungensmütter, nichtssagender Plot: Der türkische Regisseur Emir Khalilzadeh bringt mit seiner Komödie Albanien auf den Filmradar und scheitert gnadenlos

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Bei der Kategorisierung »albanischer Film« drängen sich nicht gerade herausragende, geschweige denn bekannte Produktionen auf. Vielleicht der Berlinale-Wettbewerbsbeitrag von 2015 »Sworn Virgin« von der Italienerin Laura Bispuri. In dem Genderdrama spielt Alba Rohrwacher eine junge Frau, die in der archaischen Landschaft Albaniens einen Eid auf ihre ewige Jungfräulichkeit ablegt und fortan als Mann lebt, um der tradierten Frauenrolle zu entkommen. Der Film wurde zumindest teilweise in Albanien gedreht. Andere, originär albanische Filme schaffen es gar nicht ins westliche Kino oder finden hierzulande maximal einen Sendeplatz im Spätprogramm der öffentlich-rechtlichen Sender. Meist sind es schwere Themen, die sie behandeln, sie erzählen von Krieg, Unterdrückung und Religion. Nun versucht der türkische Regisseur Emir Khalilzadeh mit »Eine albanische Geschichte« das kleine Land an der Adria ins Bewusstsein der westlichen Kinowelt zu manövrieren – mit einer Komödie und zwei albanischen Stars.

Ervin (Ermal Mamaqi) ist ein etwas vertrottelter circa 30-Jähriger. Ständig kommt er zu spät zu seinem Job als Krankenpfleger, weil »der Bus immer dann losfährt, wenn er gerade ankommt«. Ein Arzt erwartet ihn jeden Morgen und droht, ihn an den Chef zu verpetzen. Zugleich wird Ervin nicht müde, von seinem Diplom als Arzt zu sprechen, das ihm nur noch zugestellt werden muss. Ansonsten ist er ein wenig übergewichtig und verliert sich bei einem Date mit einer ebenso vollbusigen wie volllippigen Blondine in Tagträumen, die aus einer Frau in rotem Stretch­kleid, Sprühsahne und reichlich Wasser, das diese Frau aus einem Krug über sich ergießen lässt, bestehen. So viel zum Humor dieser Komödie.

Die Frau entpuppt sich als die ebenso lustige wie außerordentlich sexy wirkende Emma (Elvana Gjata). Schnell sind die beiden ein Paar und müssen sich jeweils beim Antrittsbesuch bei den künftigen Schwiegereltern beweisen. Emma schüttet Ervins arrogant-garstiger Mutter den Espresso über die Bluse. Was darauf folgt, bleibt unerzählt. Ervin tritt bei Emmas Eltern in jedes mögliche Fettnäpfchen. Die baldige Hochzeit folgt trotzdem, die klamaukigen Fauxpas setzen sich fort. Die Flitterwochen in der Karibik scheitern und enden in einem mysteriösen Hotel mit einer Wirtin, die Sex verbietet, ein reich gewordener Nachbarsjunge von Emma von einst taucht auf. Es kommt zu Verwerfungen und weiteren Albernheiten.

Regisseur und Drehbuchautor Khalil­zadeh inszeniert seine Komödie mit dem in seiner Heimat als Comedian bekannten Mamaqi und der erfolgreichen Sängerin Gjata als eine Mischung aus »Hangover«, Louis de Funès und schrillen YouTube-Tutorials juveniler Influencer. Keine Oberweite ist unter Körbchengröße D, kein Dialog kommt ohne verzerrte Grimasse aus und kein Satz ist in einer nur annähend annehmbaren Tonlage geäußert. Dass die Story platt ist und nirgendwo hinführt, versteht sich da fast von selbst. Schade, Albanien als Filmland für leichte Stoffe auf dem Schirm zu haben, hätte seinen Reiz gehabt.

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