Ihre Meinung ist gefragt, Schreiben Sie uns
Das aus der »Star Wars«-Serie »The Mandalorian« bekannte Gespann aus Kopfgeldjäger Din Djarin und Baby-Yoda Grogu ballert sich durch die Galaxis
Wer diesen Film sehen möchte, weil er oder sie nicht genug vom glupschäugigen Grünling Grogu alias Baby Yoda bekommen kann, wird zufrieden den Kinosaal verlassen. Der putzige Fan-Liebling mit den übergroßen Ohren und dem Dackelblick stiehlt allen die Show. Auch sonst hakt der neue »Star Wars«-Film »The Mandalorian & Grogu« von Jon Favreau eigentlich viele Checkpoints auf der Fanliste ab: Anspielungen auf die alten »Star Wars«-Filme und die neuen Serien tauchen auf, der Soundtrack ist mitreißend, exotische Planeten, Blaster-Duelle, skrupellose Bösewichte und sonderbare Kreaturen erzeugen ausreichend »Star Wars«-Atmosphäre. Coole One-Liner, Slapstick und kultige Cameo-Auftritte (etwa Martin Scorsese, im Originalton nur an der Stimme zu erkennen) sorgen für humorvolle Einsprengsel.
Auf allen anderen Ebenen enttäuscht der Film. Dramaturgisch fühlt sich »The Mandalorian & Grogu« so an wie ein Videospiel, das man wiederholt auf zu niedriger Schwierigkeitsstufe durchspielt. Man hat das alles schon mal gesehen und kommt ein bisschen zu leicht voran. Der titelgebende Mandalorianer, Kopfgeldjäger Din Djarin (Pedro Pascal), und sein Schützling Grogu arbeiten mittlerweile für die Neue Republik und machen Jagd auf Warlords, die noch immer dem gefallenen Imperium anhängen. Ein neuer Auftrag bringt die beiden mit Verwandten des legendären Jabba the Hutt in Kontakt. Ob den schmierigen Syndikatsbossen zu trauen ist?
Drumherum wird viel geprügelt und geballert. Konfrontationen werden nicht durch Raffinesse, sondern ausschließlich durch rohe Gewalt gelöst. Grogu und Mando helfen sich stets gegenseitig aus der Patsche – als Lehrer-Schüler-Gespann funktionieren sie einwandfrei. Leider entwickelt sich ihre Dynamik darüber hinaus wenig weiter. Wie wird Grogus Zukunft aussehen, wenn sein Ziehvater mal nicht mehr ist? Das wird angerissen, aber nicht auserzählt.
Als Neueinsteiger kann man dem Verlauf der Handlung zwar folgen, erfährt aber wenig über die Kultur der Mandalorianer oder den brüchigen Frieden, in dem sich die Galaxis nach dem Fall des bösen Imperiums befindet. Für die Titelhelden ist es nur ein weiteres Abenteuer ohne größere erzählerische Konsequenzen. Der Film schlägt keine erkennbare Brücke zwischen der Serie und künftigen Filmen. Anders als in der Serie steht nur wenig auf dem Spiel und es gibt kein konkretes Ziel, außer dem Imperium ein Schnippchen zu schlagen.
Und ausgerechnet auf der technischen Ebene, wo der Film punkten könnte, patzt er. Der Ton scheppert und klirrt oft übermäßig. Nicht nur dann, wenn ein gigantischer AT-AT-Kampfläufer in sich zusammenbricht und an einer Bergflanke explodiert, sondern auch, wenn Wasser spritzt oder Faustschläge auf Körper treffen (Hinweis: die Pressevorführung fand in einem IMAX mit 12.1-Soundsystem statt). Bloßer Lärm ersetzt kein ausgeklügeltes Sounddesign. Manche visuellen Effekte sehen nicht mehr zeitgemäß aus, vor allem bei den digital animierten Figuren: Die Hutten, gigantische Würmer, wirken nicht organisch, sondern künstlich. Einige andere Kreaturen sind derart über-designt, dass sie im hektischen Durcheinander ihrer glitschigen Gliedmaßen, Klauen und Zähne gar nicht richtig erkennbar sind.
Die Actionszenen sind heillos überladen. Vor lauter Bewegungsunschärfe, Lichteffekten, Schnitten und Achssprüngen mit der Kamera verliert man als Zuschauer die Orientierung, ohne gesehen zu haben, was eigentlich passiert ist. Außer, dass der Mandalorianer offenbar die Gegner einen nach dem anderen ausschaltet. Wie er das genau zustande bringt, verliert sich oft im Bildermatsch.
Für den ersten »Star Wars«-Film seit sieben Jahren, der es noch dazu relativ leicht hätte, weil er mit zwei beliebten Charakteren an den Start geht, bereits auf eine ausführliche Hintergrundstory setzen kann (drei Staffeln der Serie »The Mandalorian«) und erzählerisch frei wäre, da er nicht unmittelbar an ein Prequel anschließt oder auf ein Sequel zusteuert, wirkt das Ergebnis uninspiriert.



