Aktuelles
03.06.2026
1976 skandalös, heute unbequem und konsequent: Nagisa Õshimas Erotikdrama »Im Reich der Sinne« (Ai no korîda) kommt am 11. Juni in ausgewählte Kinos.
31.05.2026
In über 60 Jahren hat er Fürsten und Outlaws, Krieger und Liebhaber gespielt, 2025 ist er gestorben. Tim Abele empfiehlt die Retro, die ihm das Japan-Filmfestival Nippon Connection widmet.
26.05.2026
Cristian Mungius »Fjord« gewann die Goldene Palme der 79. Filmfestspiele Cannes und den Preis der Ökumenischen Jury. Das Familiendrama über Kulturkonflikte im norwegischen Kinderschutzsystem spaltete das Publikum – und überzeugte die Jury.
20.05.2026
Satoshi Kons Langfilmdebüt »Perfect Blue« von 1997 kommt am 26. Mai endlich in ganzer Pracht auf die große Leinwand.




Bulgakow subversiv
Die Ding sind nicht so eindeutig, wie Carla sie gerne sehen mag. Die Tatsache, dass Bulgakow vor über hundert Jahren skeptisch gegenüber dem ukrainischen Nationalismus war, bedeutet nicht, dass er heute auf der russischen Seite stände. Ja, ich könnte mir vorstellen, dass Bulgakow heute die Ukrainische Sache vertreten würde, so wie viel in der Ukraine, die erst seit dem russischen Krieg gegen die Ukraine zu entschiedenen Anhängern der ukrainischen Nation geworden sind.
Dabei bin ich davon überzeugt, dass es gar nicht das ukrainische Streben nach Selbständigkeit war, das Putin so auf die Palme gebracht hat, sondern die Möglichkeit, dass die Demokratiebewegung in der Ukraine Erfolg haben könnte und so sein eigenes System in Frage stellen konnte (nicht wegen der Unterschiedlichkeit, sonder wegen der Ähnlichkeit der beiden Länder).
Bulgakow hatte ein feines Gespür für Ambivalenz und Widersprüchlichkeit in der Geschichte und bezieht sich dazu auf Goethes Mephisto: der „Kraft, die stets das Böse will und doch das Gute schafft“. Der Film greift das auf in kongenialer Weise auf und schreibt es fort. Ich glaube sehr wohl an das Subversive dieses Films, gerade in der Tatsache, dass er so erfolgreich unter den Augen der Machthabenen läuft.