Kritik zu Müll im Garten Eden

© Pandora Filmverleih

2012
Original-Titel: 
Müll im Garten Eden
Filmstart in Deutschland: 
06.12.2012
L: 
85 Min
FSK: 
keine Beschränkung

Mit den paradiesischen Zuständen ist es zu Ende, seit in der kleinen anatolischen Gemeinde am Schwarzen Meer eine Mülldeponie errichtet wurde. Der Regisseur Fatih Akin war dabei. Nicht ganz zufällig: Aus der Provinz Trabzon stammt seine Familie

Bewertung: 3
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Es ist sieben Jahre her, dass Fatih Akin mit seinem Vater nach Çamburnu in die türkische Provinz Trabzon am Schwarzen Meer aufbrach, weil er das Fleckchen Erde kennenlernen wollte, von dem seine Großeltern stammten, ein Stück Heimat. Das saftige Grün der Teesträucher, die friedvolle Stille, die bunten Bauernhäuschen, die wie exotische Blüten im üppigen Garten Eden sprießen, das schiere Paradies überfallen den Zuschauer mit gleicher Strahlkraft wie damals den Filmemacher. Aber nicht lange. Schon hagelt es Proteste, eine farbenfrohe Frauenschar kommt ins Bild, auch ein paar Männer, die gegen die ausgerechnet oberhalb des Dorfes geplante Mülldeponie Stimmung machen.

Das von langer Hand geplante, »von oben« oktroyierte Projekt sollte Abhilfe für die Abfälle schaffen, die traditionell im Meer versenkt wurden. Ein an sich sinnvoller Plan, wie er vielen Mittelmeeranrainern gut anstehen würde, doch die schlampige Durchführung machte alles wieder zunichte. Fatih Akin stellte sich an die Spitze der Protestierenden und holte die Kamera hervor – daraus entwickelte sich eine Langzeitbeobachtung (2007–2012), das Dokument einer verheerenden Umweltkatastrophe. Der Film »Müll im Garten Eden« ist von mehr als lokaler Bedeutung und führt uns eine bekannte, aber auch eine ganz »andere« Türkei vor Augen.

Heute sind viele weggezogen; die erbittertste und zugleich älteste Demonstrantin ist verstorben; von ihren zwei Töchtern ist nur eine auf der Teeplantage geblieben, die andere nach Istanbul gezogen. Nicht wenige haben resigniert: vor dem verschandelten Dorf, das wiederholt von den schwarzen Abwässern der Deponie heimgesucht wurde, vor dem unerträglichen Gestank, vor den unheimlichen Vogelschwärmen und anderem Getier, das auf der Mülldeponie heimisch wurde, Dorf und Teeplantagen zukackt, vor einer Umweltzerstörung, die von der Verwaltung ausgeblendet und von den Teehändlern weggeredet wird. Geblieben ist der harte Kern der dörflichen Widerstandsbewegung, die ein erstaunliches Umwelt- und Kampfbewusstsein an den Tag legt. Als Hauptgegner erscheinen Verwaltung und Staat, die mit doppelter Zunge sprechen. So hat die Gemeinde baldigst gegen die Errichtung der Deponie geklagt, aber ein Baustopp blieb aus; im Gegenzug wurde der Bürgermeister wegen Behinderung der Staatsinteressen vor den Kadi zitiert und verurteilt. Und der Volkszorn entlädt sich beim Singen in der Kneipe: »… die Regierung hat uns an der Nase herumgeführt«.

Am praktischen Beispiel führt der Film vor, wie Demokratie im Alltag praktiziert, sprich: ausgeschaltet wird. Viele Details sind durch die Mithilfe des Dorffotografen in den Film eingegangen: Parfüm gegen den Gestank, Basteleien an zu kleinen Rohren und zu dünnen Abdeckplanen, zuletzt der Zusammenbruch der Kläranlage – vor allem aber der Mut der Bauersfrauen.

Fatih Akin glaubt, dass der Film etwas verändern kann – doch eine Schwalbe macht noch keinen Sommer. Das neue »Tiefseeversorgungssystem« von Trabzon sieht so aus: Tankwagen pumpen die überschüssigen Abwässer der Deponie in einen Kanaldeckel, direkt am Strand. Und der Umweltbeauftragte schweigt.

Meinung zum Thema

Kommentare

Ich sehe hier keine Kritik, nur drei Sterne. Schade gerne hätte ich vor dem schauen gewusst, warum dieser Film nur durchschnittlich abschneidet. Ist der Film vielleicht eine isolierte Betrachtung von Aussen? Eine Kritik aus einer privilegierteren Gesellschaft, in der man natürlich nicht so mit Müll umgeht? Klar ist das schrecklich wie man hier mit Abfall umgeht und klar ist es legitim das zu kritisieren. Aber was macht den Film jetzt zu einem drei Sterne Film. Vielleicht ja eine Perspektive von "oben herab"? Ich habe den Film nicht gesehen, werde ihn aber nun anschauen. Aber nach dieser Kritik weiß ich nun nur worum es geht.

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