Meckereien und Frauengeschichten

Kleiner Nachtrag zum Thema Programmgestaltung: Es gibt die von mir vermissten Kinoübersichten, zum Beispiel hängt eine in der Akademie der Künste im Foyer. Auch die Kinos selbst haben welche im Kassenhäuschen, wie ich gesehen habe. Verstehe nicht, weshalb man die dann nicht auch online stellen kann – oder habe ich sie einfach nicht gefunden? Ich habe mir auf einer kleinen Rundreise jetzt die von Akademie und Delphi (mit Hilfe eines netten Mitarbeiters) abfotografiert, leider in technisch so schlechter Qualität, dass ich sie besser auch nicht veröffentliche.

Die Rundreise kam aufgrund eines mir unverständlichen anderen Problems zustande: Nämlich eine riesige Lücke in den Pressevorführungen mitten am Tag, ausgerechnet zu der Zeit, wo ich – und vermutlich auch viele andere tagesaktuell schreibende Journalisten nach Ablieferung ihrer Texte – meistens bei der Berlinale anlande. In den letzten Jahren bin ich dann nach dem Gang zum Ticketschalter immer erstmal erleichtert in den Sessel der 14-Uhr-Forums-Pressevorführung gefallen. Dieses Jahr aber ist da genau um die Uhrzeit eine große Leere, die nächste Vorführung beginnt erst wieder um 16 Uhr. Beim »Panorama« ist um die Zeit auch nichts zu holen. Keine Ahnung, warum, aber doof ist es. Und das jeden Tag.

Dazu kommt der sehr lästige Umstand, das es bei solchen Lücken im Programm unter den neuen Bedingungen am Potsdamer Platz außer im überfüllten und stickigen offiziellen Presseraum kaum eine Möglichkeit gibt, sich hinzusetzen, um zu schreiben. Das kleine Café im Cinemax ist immer überfüllt, das Cocktail-Lokal unten viel zu hektisch und laut. Und es scheint, alle anderen möglichen Sitzgelegenheiten im Hause wurden systematisch abgeräumt. Das CineStar-Café, wo ich sonst immer gerne gesessen habe, ist ja geschlossen. Und auf den Biergarten-Bänken vor dem Arsenal ist es so eng, dass immer fünf Menschen aufstehen müssen, wenn sich jemand hinsetzen will.

Nun aber endlich zum Inhaltlichen: Gestern war die mittlerweile schon traditionelle Veranstaltung des Frauenfilmfestivals Dortmund/Köln, diesmal unter dem Motto »The Other Story: Feminist Scripts in Cinema Now« (in einem angenehm tageslichtigem Saal der österreichischen Botschaft). Also der fällige Schritt von den lange Zeit (zu Recht) die Debatte dominierenden Zahlen-Spielen zu der Frage nach Strukturen und Botschaften. Die Keynote von Kathrin Resetarits fasste die Kritik am Standard-Plot-Modell der Heldenreise als scheinbar »natürlichem« Modell des Erzählens prägnant zusammen, fiel damit aber auch etwas hinter den aktuellen Stand der Dinge zurück. Denn die Palette an Plots und Erzählmodellen hat sich ja längst viel weiter aufgefächert, wie auch die Filme im Berlinale-Programm zeigen. Allerdings schienen einige Wortmeldungen aus dem Publikum darauf hinzuweisen, dass gerade bei der Ausbildung an den Filmschulen dieses altbackene »klassische« Modell immer noch als Norm gesetzt wird. Ein sehr interessanter Hinweis berichtete davon, dass Filmstudentinnen mit ihren Stoffideen oft auf Widerstand – gerade bei ihren männlichen Kommilitonen – stoßen. Es wäre sicher aufschlussreich, hier einmal weiter zu forschen.

Richtig ist sicherlich die These von Resetarits, dass es nicht ausreicht, die klassischen männlichen Helden durch andere mehr diverse Figuren auszutauschen, sondern statt dessen die Erzählweisen geändert werden müssen. Beim Panel mit den Drehbuch-Autorinnen Kathrin Resetarits, Elma Tataragić (»God Exists, her Name is Petrunya«), Tatjana Turanskyj (»Die flexible Frau«) und Melanie Waelde (mit »Nackte Tiere« dieses Jahr in Encounters) ging der Diskurs weit über Genderfragen hinaus und endete mit einem Appell zu neuen Strukturen der Föderung und dazu, aufgeschlossen Produktionsfirmen und Festivals als Verbündete zu suchen. Besorgniserregend der von einigen Seiten konstatierte geschlechterpolitischen Backlash etwa auf dem Balkan, wie Elma Tataragić berichtet. Das sei traurig, aber auch ein Ansporn zu Wachsamkeit und Kampf. Und es erinnert an ähnliche Befunde, die letztes Jahr von Filmemacherinnen aus Osteuropa kamen.

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