Kleiner Nachtrag und Resümee

»Irradiés« (2020). © Rithy Panh

Von den preisgekrönten Filmen habe ich keinen einzigen gesehen, von mir favorisierte haben keine Preise gewonnen. Deswegen wollte ich wenigstens heute nachmittag noch »Irradiés« über das Nach-Diktatur-Kambodscha von Rithy Panh im Berliner Festspielhaus angesehen. Der hat den Berliner Dokumentarfilmpreis des rbb bekommen, und in der Jury saß Gerd Kroske, dessen Urteil ich sehr schätze. Stattdessen sitze ich aber immer noch auf meinem Sofa und arbeite an meinem offiziellen Bericht über die ARD-Top-of-the-Docs für epd-medien, der morgen früh abgegeben werden muss und Genauigkeit und Feinarbeit erfordert. Sonst gibt es nachher Rügen.

Für abschließende Urteile über einzelne Programm-Sektionen habe ich – eben wegen der Pflichtarbeiten zu Hause – viel zu zu wenig gesehen. Nur zum Forum kann ich mich etwas qualifizierter äußern, auch wenn da bei meiner Auswahl notgedrungen viel durch Zufall zustande kam. Aber was ich gesehen habe, hatte Profil, deckte aber trotzdem eine ganze Palette vom klassischen Dokumentarfilm (sehr schön: Sabine Herpichs: »Kunst kommt aus dem Schnabel wie er gewachsen ist«) über performative Arbeiten wie Clarissa Thiemes »Was bleibt« bis zum atmosphärisch flirrenden Hebriden-Porträt »Two Sights« von Joshua Benetta oder Ra'anan Alexandrovicz' Framing-Experiment »The Viewing Room«. Insofern von Zuschauerseite eine rundum positive Bilanz für Cristina Nord. (Was aber unbedingt geändert werden muss ist die Politik für Pressevorführungen und Tickets. Wenn dieses Mal und in Zukunft mehr Kinos Tickets verlangen, dann muss es für die Menschen, die sich vormittags Forums-Filme im Cubix am Alexanderplatz anschauen, eine gerechte Chance dafür geben, an diese Tickets zu kommen. Also entweder ein zweites Ticketbüro ins Cubix oder in Zukunft doch auf Online-Tickets setzen wie anderswo).

Emotionale Bilanz: Viele Menschen, die zu treffen ich mich sehr gefreut hatte, waren dieses Jahr nicht (oder nur in sehr kurzen Stippvisiten) auf dem Festival präsent – viele von ihnen sind mittlerweile beruflich so sehr eingespannt, dass sie nicht mehr für ein paar Tage aus ihren Pflichten frei kommen. Andere waren aber vermutlich auch von der unwirtlichen Situation rund um den Potsdamer Platz abgetörnt. 

Materielle Verlustbilanz: Ein paar Armstulpen, die irgendwo unter einem Kinositz liegen blieben und wahrscheinlich längst von einem Staubsaugerschlund gefressen wurden.

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