Seit Donnerstag ist erst einmal Ruhe eingekehrt. Zumindest ist nichts nach Außen gedrungen. Die „nächsten Tage“, in denen man über die zukünftige Ausrichtung der Berlinale entscheiden will, werden nicht mehr im Februar liegen. Die Fristverlängerung setzt ein gutes Zeichen: Jetzt will man nichts überstürzen, denn zuvor ging es in dieser Causa und der medialen Berichterstattung wieder einmal viel zu schnell.
Manche Filme sind wie Kassiber, die heimlich aus einem Gefängnis geschmuggelt werden. Das ist uns heute aus dem Iran oder anderen autokratisch regierten Ländern vertraut. Das Glück ihrer Sichtbarkeit ist nie ganz ungetrübt. Keiner weiß, wie groß die Dimension des Pechs ist, nie mehr an die Öffentlichkeit zu gelangen.
Als geborene Weiß hätte sie womöglich auch Karriere gemacht, eventuell sogar unter ihrem Vornamen Käthe. Genug Talent besaß sie schließlich. Aber Ellen Richter klang dann doch weltläufiger. In den 1920er Jahren, als die Schauspielerin und Produzentin ihre größten Erfolge feierte, herrschte in der deutschen Filmpresse eine brennende Neugier auf die wahre Identität, die sich hinter Künstlernamen verbarg.
Estland ist ein flaches Land. Der höchste Berg erhebt sich gerade mal 318 Meter über den Meeresspiegel, aber dieses geologische Schicksal muss nicht bedeuten, dass Estland auf der Leinwand nicht zu einer Alpenrepublik werden könnte. »Hukkunud Alpinisti hotell« von Grigori Kromanov jedenfalls spielt in einem Skigebiet und vor erhabener Gebirgskulisse.
Seine Kindheit dürfen wir uns als eine tapfer ausgehaltene Zerrissenheit vorstellen. John Schlesinger, der heute vor 100 Jahren geboren wurde, stammte aus einer jüdischen Familie, wuchs aber in einem protestantischen Haushalt auf. In den Ferien nahmen ihn seine Eltern samstags in die Synagoge mit und am nächsten Morgen musste er zum anglikanischen Gottesdienst. Wem sollte er nun glauben, dem Rabbi oder dem Pastor?
Die Fügung, dass die Weltpremiere der 4-K-Restaurierung von »The Pornographers« auf den diesjährigen Valentinstag fällt, hätte den Regisseur zweifellos begeistert. Shohei Imamura liebte die filmische Kollision. Romantische Eintracht verheißt dieser Titel mitnichten. Im Original ist er noch etwas ausführlicher und gibt sich als »Einführung in die Menschenkunde« zu erkennen, was ebenfalls keine einvernehmliche Verzauberung in Aussicht stellt.
In der Epoche, die man früher einmal das Goldene Zeitalter der Filmmusik nannte, muss ein ungeheures Gemeinschaftsgefühl geherrscht haben. Zwar waren die Komponisten durchaus Konkurrenten, aber zugleich freundschaftlich verbunden. Selbst Arnold Schönberg und Erich Wolfgang Korngold, die in Wien wohl kein Wort miteinander gewechselt hätten, tauschten sich in Los Angeles rege aus.
Die Titel darf man sich ruhig erst einmal auf der Zunge zergehen lassen: Spezialkommando Feuervogel, Hammerhead , Kommisar X - Drei gelbe Katzen und Roboter der Sterne. Nach Kanon klingt das alles nicht. Was also haben sie in einem Filmmuseum zu suchen? Oder anders, wenngleich ebenso rhetorisch gefragt: Bedeutet ihre Musealisierung nicht vielmehr eine Endstation?
Im besten Fall landen die Filme beim richtigen Kritiker. Das kommt seltener vor, als man denkt. Mir geht allerdings oft durch den Kopf, welch ungeheures Glück manche hatten, Hans Schifferle zu finden. Das war dann in der Regel eine ganz intime Begegnung, die geprägt war von Beobachtungsgenauigkeit, Anspielungsreichtum und unbedingter Zuneigung. Er war uns Kollegen meist einen Schritt voraus, beispielsweise im Fall von Sébastien Lifshitz.
»Hamnet« ist geschmeidig inszeniert – Chloé Zhaos Film gestattet ein nahtloses Sehen, er setzt eher auf unsichtbare Schnitte als auf eine dialektische Montage. Das ist klug, denn er erzählt von einem Riss, der durchs Leben geht. Stolpersteine gibt es im Fluss der Bilder gleichwohl, denn in ihnen nimmt das Abwesende eine zentrale Rolle ein.
Kristen Stewart über ihren Regie-Erstling »The Chronology of Water«: ein radikal persönlicher Film über weibliche Selbstermächtigung, künstlerische Autonomie – und das Ringen um eine eigene, unverstellte Stimme.
Jim Jarmusch, geboren 1953 in Ohio, ist einer der profiliertesten US-Autorenfilmer und die ewige Verkörperung des Independent-Films. Für »Father Mother Sister Brother« erhielt er 2025 in Venedig den Goldenen Löwen.
Ein starkes Generation-Jahrgang: Von der brasilianischen Zeitreise-Doku »The Fabulous Time Machine« über das berührende rumänische Roadmovie »Atlas of the Universe« bis zu empowernden Geschichten wie »Gugu's World« und »Ghost School«.