Apple TV+: »Slow Horses« Staffel 3

»Slow Horses – Ein Fall für Jackson Lamb« (Staffel 3, 2023). © Apple TV+

»Slow Horses – Ein Fall für Jackson Lamb« (Staffel 3, 2023). © Apple TV+

Agenten-Blues

Jedes Kind weiß es: Britische Agenten mit einer Doppelnull haben eine »Lizenz zum Töten«. Weniger bekannt ist dagegen, was es mit den eigentlichen Nullen auf sich hat. Gemeint sind jene Loser, die im Einsatz schon mal das Tanken vergessen oder sensible Geheimakten in der U-Bahn liegen lassen. Diesen Versagern setzt die schwarzhumorige Apple-TV+-Serie nach einer Romanreihe des englischen Schriftstellers Mick Herron ein Denkmal.

Man nennt sie »Slow Horses«. Das ist die despektierliche Bezeichnung für Möchtegernspione. Aus dem strahlenden Hightech-Gebäude des Inlandsgeheimdiensts MI5 wurden sie verbannt in die finsteren Hinterhof-Büroräume des »Slough House«. Abteilungschef Jackson Lamb, hinreißend verkörpert von Gary Oldman, versucht diesem verlotterten Haufen Disziplin und Arbeitsethos beizubringen. Als olfaktorisch zuweilen unangenehm präsenter Menschenschinder geht er selbst allerdings nicht mit gutem Beispiel voran.

Nach dem Start im vergangenen Jahr hat Apple TV+ nun bereits die dritte Staffel veröffentlicht, eine vierte ist auch schon abgedreht. Im Fokus steht diesmal Catherine Standish (Saskia Reeves), eine trockene Alkoholikerin, die als Lambs Sekretärin einige Schikanen wegstecken musste. Nach ihrem spurlosen Verschwinden stellt sich heraus, dass sie von einem Ex-Agenten entführt wurde, der offenbar auf die schiefe Bahn geraten ist. Es geht um eine mysteriöse Akte. In den sogenannten »grey books« soll unter anderem dokumentiert sein, dass eine skrupellose Abteilungsleiterin ihre eigenen Mitarbeiter über die Klinge springen ließ, nur um ihre Reputation zu retten.

Der Plot selbst fungiert nur als Aufhänger. Ihre Sogwirkung erzeugt die Serie durch ihr kleinteiliges Mosaik liebevoll beobachteter Fehlleistungen. Christopher Chung etwa verkörpert den genialen IT-Spezialisten Roddy Ho, ein Nerd, wie er im Buche steht. Aus purer Langeweile hackt er sich etwa ins Verkehrsleitsystem ein, um auf elektronischen Autobahn-Schrifttafeln die Warnung »Zombie Attack!« einzublenden. Man ahnt, warum dieser unverbesserliche Kindskopf ins Slough House versetzt wurde.

Einmal mehr wird die Stimmung eines düster-melancholischen Agenten-Blues zu Beginn jeder Folge untermalt von dem eingängigen Titelsong »Strange Game«, den Mick Jagger exklusiv für die Serie komponierte. Sahnestück der dritten Staffel ist eine verschwenderisch in Szene gesetzte Materialschlacht, die ihre eigene Absurdität mit rabenschwarzem Humor spielerisch hervorkehrt. Als Agent der alten Schule versetzt Jackson Lamb seinen Gegnern mit fiesen kleinen Pfadfindertricks extrem schmerzhafte Nadelstiche.

Die Pointe bleibt auch in Staffel 3 mehr oder weniger die gleiche. Obwohl im Slough House eigentlich nur Versager und Traumtänzer arbeiten, setzt das vermeintlich disfunktionale Team um Jackson Lamb sich gegen eine Übermacht korrupter MI5-Mitarbeiter durch. Gibt es also doch so etwas wie »ein Richtiges im Falschen«?

OV-Trailer

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