Sky: »Stargirl«

»Stargirl« (Staffel 1, 2020). © Warner Bros. Entertainment

»Stargirl« (Staffel 1, 2020). © Warner Bros. Entertainment

Keine Experimente

Der Wildwuchs an Superhelden, die seit 1938 dem Urahnen der Heftchenheroen, Superman, zu Seite getreten sind, ist kaum zu überblicken. Man könnte ewig ausholen, um das Stargirl, das in dieser Serie seinen ersten Soloauftritt bekommt, innerhalb der DC-Comicgeschichte zu verorten. Das Stargirl kann seine Abstammung zwar auf die Justice Society of America (JSA) zurückführen, wurde aber 1999 von DC-Autor und Produzent Geoff Johns nach dem Vorbild seiner tragisch um Leben gekommenen Schwester erschaffen. Der Serien-Überbau besteht denn auch darin, dass das Stargirl im Wissen um die berühmten Vorgänger und das »Goldene Zeitalter« unterwiesen wird, das Vigilanten-Handwerk erlernt, andere Superhelden rekrutiert – und dabei seine Feinde von der Injustice Society (ISA) identifiziert. Ins handfeste Leben übersetzt, ist Stargirls Mission auch eine Metapher für den alltäglichen Highschool-Kleinkrieg. Gemobbte Teenager entdecken in ihrem Außenseiterdasein einen höheren Sinn und haben beim Ausprobieren nostalgisch-cooler Superheldenkostüme einen Heidenspaß.

Courtney, die mit Mutter, Stiefvater Pat und dessen Sohn in eine Kleinstadt in Nebraska zieht, entdeckt schnell, was es mit jenen mysteriösen Kisten, die Pat im Keller hortet, auf sich hat. Ein magischer Stab erwählt Courtney zu seiner neuen Halterin, und der leicht vertrottelte Pat entpuppt sich als ehemaliger »Sidekick« S.T.R.I.P.E von Starman, der, zusammen mit seinen JSA-Kollegen, von der IS ermordet wurde. Ob Starman tatsächlich Stargirls Vater war, wird in den vier Episoden, die von der insgesamt 13-teiligen Serie vorab gesichtet werden konnten, nicht klar. Doch Mechaniker Pat (Luke Wilson, der einzige Promi im Ensemble), der auf dem Schrottplatz altes Eisen sammelt, um ein Roboterkostüm à la Iron Man zu schrauben, empfiehlt sich als liebenswürdiger Ersatz.

Die Special Effects zur Ausschmückung der Abenteuer von Stargirl und ihrer neuen Freunde haben Kinoqualität. Der »kosmische Stab« erinnert mal an einen wuseligen Haushund, einen Feuerwerfer und einen fliegenden Hexenbesen. Es ist sehr zu begrüßen, dass bei dieser Überblendung von Fantasyaction und Gegenwart auch moderner Horror wie Cybermobbing und die Folgen für die Opfer veranschaulicht werden. Die Details der Staffelübergabe von einstigen Superhelden zu gebeutelten Teenagern machen Laune und haben einen Anflug von »Goonies« und anderen Amblin-Jugendfilmklassikern. Bis jetzt aber hat die Serie zwar Drive, aber leider kaum Charme. Brec Bassinger als Courtney wirkt mit ihrem Kindchengesicht allzu generisch, der ISA-Nachwuchs ist schon von Weitem am arroganten Gehabe zu erkennen. Die erwachsenen Schurken – in der Reihenfolge des Erscheinens Icicle, Brainwave, The Fiddler – die das Städtchen infiltriert haben, bieten wenig Stoff zum Rätselraten. Auch die unoriginelle Popmusik, die das Geschehen begleitet, zeigt, dass die Serie nicht mehr sein will als familientaugliches Entertainment, ohne Experimente.

OV-Trailer

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