Disney+: »Big Shot«

»Big Shot« (Serie, 2021). © 2021 ABC Signature Studios

»Big Shot« (Serie, 2021). © 2021 ABC Signature Studios

Standardsituationen

Eine Serie mit einem Trainer im Zentrum, der sich an für ihn ungewohnter Stelle wiederfindet – genau diese Idee hat sich mit »Ted Lasso« auf Apple TV+ als einer der großen Geheimtipps des Streaming-Jahres 2020 erwiesen. Dass manche Prämissen einfach in der Luft zu liegen scheinen, belegt nun Disneys »Big Shot«. Statt um Fußball geht es um Basketball, statt den Atlantik zu überqueren wird von amerikanischer Ost- zur Westküste gewechselt und statt Jason Sudeikis spielt John Stamos die Hauptrolle. Der wichtigste Unterschied aber liegt im Tausch der Geschlechter: John Stamos' Figur des Marvyn Korn beginnt im Pilot der Serie als College-Basketball-Coach eines Männer-Teams, wirft aus Wut einen Klappstuhl nach dem Schiedsrichter, wird daraufhin entlassen und von seinem Agenten zum Untertauchen auf eine private Highschool geschickt. Als wäre das nicht schon Ungnade genug, handelt es sich um eine Mädchenschule.

So ausgedacht die Prämisse ist, so spannend könnte sie sein, gerade in der heutigen Zeit. Denn in der Tat ist die große Frage von Marvyn Korn – wie gehe ich mit den Mädchen, Pardon jungen Frauen richtig, und das heißt: respektvoll, sensibel und dabei fördernd um? Es ist eine Frage, die weit über den Schulsport hinaus Bedeutung hat.

Aber statt den Konflikt ernst zu nehmen und ihn zu entwickeln, flüchtet sich die Serie in den ersten Folgen in die bewährten Erzählformeln. Natürlich ist Marvyn Korn einer jener Trainer, die außen hart und innen weich sind – gibt es andere in der Serienwelt? –, natürlich finden sich unter seinen Sportlerinnen welche mit »Daddy-Issues«, und ebenso natürlich gibt es da die Tochter des Trainers, die ihrerseits um Anerkennung buhlt.

Da Stamos die Rolle des gut aussehenden Charmeurs, der noch nach alten Macho-Methoden agiert, aber durchaus lernwillig ist, im Schlaf beherrscht und mit trockenem Witz rüberbringen kann, entwickelt »Big Shot« genug Unterhaltsamkeit, um nicht abzuschalten. Aber um richtig interessant zu werden, müsste den Frauen in seinem Umfeld mehr eigenständige Konflikte zugestanden werden. In den ersten drei Folgen, die zur Sichtung bereitstanden, bilden sie eine viel zu sehr auf ihn bezogene Konstellation ab: die Athletinnen, die ihn zuerst unmöglich finden, sich aber dann doch schnell für ihn erwärmen, die Co-Trainerin, die lediglich eine Übersetzerrolle zwischen ihm und den Mädchen ausfüllen darf, die Direktorin, die genervt die Augen rollt über seine Forderungen, die strenge Geschichtslehrerin, die meint, dass sein Training ihren Studentinnen die Zeit stiehlt.

Über die eigentlich spannenden Momente bügelt der Film dagegen zu schnell hinweg: Sie müsse fünf Pfund abnehmen, sagt Coach Korn leichthin beim ersten Training zu einer der Spielerinnen. Die jungen Frauen sind empört – das sei »Fatshaming«. Wenige Szenen später hat Korn das dann schon verstanden, das nächste Mal würde er das nicht mehr vor allen sagen; dass die Athletin abnehmen soll, gilt trotzdem.

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