Ausstellung: »Brandspuren« im Filmmuseum Berlin

© Deutsche Kinemathek

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Die Ausstellung zeigt nicht nur historische Plakate, sie dokumentiert auch ihre Geschichte

Eine Ausstellung mit 24 Plakaten aus der Filmgeschichte zwischen 1916 und 1934, das klingt zunächst einmal wenig aufregend. Es die Geschichte dieser Plakate, genauer: ihr Wiederauffinden (und ihre anschließende Restaurierung), die der Ausstellung »Brandspuren« eine besondere Bedeutung verleiht.

Als der Zweite Weltkrieg sich dem Ende näherte, stellte sich für Kunstgüter, aber auch für wichtige Akten die Frage, wo man sie sicherer unterbringen konnte als in den großen Städten, die regelmäßig bombardiert wurden. Eines der Ausweichlager für das Reichsfilmarchiv war das Salzbergwerk Grasleben bei Helmstedt, wo diese Materialien erst 1986 entdeckt wurden – in einem beklagenswerten Zustand. Ob dafür der Grubenbrand im Juni 1945 verantwortlich war, oder aber – so eine Spekulation – ob das Feuer Spuren verwischen sollte, weil die Amerikaner schon zwei Monate zuvor wertvolle Kulturgüter von hier entfernt hatten, weiß niemand. 1986, 2017 und 2019 hatten jedenfalls Mitarbeiter der Stiftung Deutsche Kinemathek Gelegenheit, bei Einfahrten in die Grube dabei zu sein und das Material zu sichten: Standfotos, Zensurbescheide für die Freigabe von Plakatmotiven und die Plakate selbst. Die zerfielen beim Auseinanderfalten in ihre Einzelteile, wenn sie nicht gleich vollkommen zerbröselten. 70 Plakate wurden gerettet, der Aufwand für deren Restaurierung betrug seinerzeit je 2000 DM, wie Werner Sudendorf, damals Leiter der Sammlungen der Kinemathek, in einem Radiofeature von 1995 berichtet. Er habe »vor wenigen Tagen« eine entsprechende Information an das Bundesarchiv weitergegeben, so Sudendorf, weil das in deren Bereich falle und dort mehr Geld für die Restaurierung vorhanden sei als bei der Kinemathek. Leider erfährt man nicht, was daraus geworden ist.

Bevor der Besucher im zweiten Ausstellungsraum die großformatigen Plakate zu sehen bekommt, erfährt er im ersten Raum aus zahlreichen Tafeln und Vitrinen etwas über die Geschichte des 1934 gegründeten Reichsfilmarchivs und seine Sammlungstätigkeit. Dazu gehörte auch das Ausleihen von erbeuteten Kopien ausländischer Filme an vertrauenswürdige Stellen (natürlich nur mit Genehmigung des Propagandaministeriums), wobei amerikanische Filme mit propagandistischen Untertönen wie »Mrs. Miniver« und »Casablanca« auf Dr. Goebbels’ besonderes Interesse stießen.

Unter den 24 Plakaten (von 22 Filmen) finden sich bekannte Filme wie Robert Flahertys »Men of Aran« und Gerhard Lamprechts »Die Unehelichen« ebenso wie heute vergessene Filme, optisch sind sie überwiegend eindrucksvoll. Informationen zu den Filmen und den Plakaten liefern ausgelegte Mappen im A-4-Format – schade, dass diese nicht käuflich zu erwerben sind. Dass die Erhaltung des Filmerbes finanzielle Unterstützung benötigt, unterstreicht die Ausstellung allemal.

Die Ausstellung im Museum für Film und Fernsehen im Filmhaus läuft noch bis zum 31. Mai 2020

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