Streaming-Tipp: »Big Little Lies« Staffel 2

»Big Little Lies« (Staffel 2, 2019). © HBO

»Big Little Lies« (Staffel 2, 2019). © HBO

Edelseifenoper

Die zweite Staffel »Big Little Lies« braucht keine halbe Stunde, um dem Serienjahr 2019 bereits eine jener Szenen zu bescheren, über die man wahrscheinlich noch zum Jahresende noch sprechen wird. Meryl Streep (in der Rolle der Mutter des gewalttätigen Perry, der am Ende der ersten Staffel umgebracht wurde) sitzt da neben der Schwiegertochter Celeste (Nicole Kidman) beim Abendessen und stößt – mit Ankündigung – einen Schrei aus, der so markerschütternd ist, dass den beiden Enkeln fast die Kartoffeln aus dem Mund fallen. Dass Streep eine Ausnahmeschauspielerin ist, ist wahrlich keine Neuigkeit. Doch dieser Moment, der von einem eindringlichen Monolog gerahmt wird, ist wieder einmal eine Klasse für sich – und nachdrücklicher Indikator dafür, in welche Richtung »Big Little Lies« in der zweiten Staffel geht.

Die Handlung setzt nur einige Wochen nach dem Ende der ersten ein. Die Sommerferien sind zu Ende, das neue Schuljahr beginnt, doch Perrys Tod überschattet noch immer den Alltag an der idyllischen Pazifikküste. Seine Mutter Mary Louise (Streep) will die Wahrheit über den Tod des Sohnes herausfinden. Und sie ist nicht die Einzige, die die sogenannten »Monterey Five«, also die fünf bei seinem tödlichen Sturz anwesenden Frauen, kritisch beäugt. Vor allem Bonnie (Zoë Kravitz) ist seit der Tat kaum mehr sie selbst. Doch auch Celeste (Kidman), Madeline (Reese Witherspoon), Renata (Laura Dern) und Jane (Shailene Woodley) haben alle Mühe, ihre Fassaden aufrechtzuerhalten, zumal natürlich auch die üblichen Ehe- und Kinderprobleme nicht ausbleiben.

Ausgehend von der ersten der abermals sieben neuen Folgen (mehr gab es vor Redaktionsschluss nicht zu sehen) ist hier eine bemerkenswerte Fortsetzung gelungen, wo eigentlich keine vorgesehen war. Eine in sich geschlossene Miniserien-Adaption des Romans von Liane Moriarty sollte »Big Little Lies« sein, doch natürlich konnte der überwältigende Erfolg nicht folgenlos bleiben. So hat die Autorin gemeinsam mit Drehbuchschreiber David E. Kelley den Plot weitergesponnen, der dieses Mal nicht schon von Beginn an das Ende andeutet, sondern recht geradlinig erzählt wird. Von jeder Menge Erinnerungen und Alpträumen einmal abgesehen.

Streep als passiv-aggressive Matriarchin, die nicht zuletzt Madeline auf dem Kieker hat, ist eine exzellente Ergänzung des ohnehin herausragenden Ensembles, sowohl darstellerisch wie auch für die Dynamik dieser abgründigen Edel-Seifenoper. Kaum weniger gelungen ist aber auch die wichtigste neue Personalie hinter der Kamera: Die Regie der kompletten Staffel hat dieses Mal statt Jean-Marc Vallée Andrea Arnold übernommen. Visuell bleibt sie größtenteils dem etablierten Look treu, doch als ausgewiesene Expertin für latent unter der Oberfläche brodelnde Gefühle ist sie für den Spagat zwischen schnippischer Oberschichtssatire und düsterer Dramatik genau die Richtige. Und auch ihr unverwechselbares Händchen beim Einsatz von Musik kommt von Beginn an in fantastischen Momenten (Diana Ross! Sufjan Stevens!) zum Tragen.

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