DVD-Tipp: Richard Linklaters »Bernie«

© Ascot Elite

»Ich hatte einfach keine Lust mehr, immer dieselbe Geschichte wiederzukäuen«, erzählte Matthew McConaughey im Januar in Berlin, »ich bekam all diese Drehbücher für romantische Komödien und Actionfilme geschickt, bei denen ich das Gefühl hatte, das kann ich nächste Woche machen. Ich wollte endlich mal wieder etwas lesen, das mir Angst macht, bei dem ich nicht weiß, wie ich da rangehe, es aber kaum erwarten kann, es herauszufinden!« Nach eineinhalb Jahren kehrte der Schauspieler dann aus der selbst verordneten Sexiest-Man-Alive-Pause mit einer ganzen Reihe kleiner, faszinierender Indiefilme auf die Leinwand zurück, die jetzt im Windschatten seines furiosen Dallas Buyers Club-Erfolges wenigstens auf DVD auf den Markt gespült werden. Neben Magic Mike, Paperboy und Mud gehört dazu auch William Friedkins Killer Joe, in dem Mc­Conaughey den Titelhelden spielt, mit einer düster gefährlichen Version seines berühmten Sex-Appeals, flackernd zwischen böser Drohung und schmeichelnder Verführung, zwischen blutigem Ernst, hysterischer Komik und unterschwelligem Sadismus.

Unter der Regie von Richard Linklater, der ihm einst in Dazed and Confused seine erste Rolle gab, schafft es Mc­Conaughey dann in der True-Crime-Fallstudie Bernie in einem bizarren Twist sogar noch, den Staatsanwalt in einen Bösewicht zu verwandeln. Dem liebenswert hilfsbereiten schwulen Bestatter (Jack Black), der quasi aus psychischer Notwehr zum Mörder einer bösartigen Zicke (Shirley MacLaine) wurde, fliegen alle Sympathien der texanischen Kleinstadt Carthage zu.

McConaughey als selbstgerechter Staatsanwalt dagegen beharrt mit sturer Aggressivität auf Recht und Gesetz und reiht auch diesen selbstgerechten Eiferer in die Galerie seiner abgründigen Independent-Antihelden ein: »Die Struktur und die Sicherheit, die ich zuhause habe,« sagt McConaughey, »hat sicher sehr viel damit zu tun, dass ich draußen den Mut habe, höher und weiter zu fliegen.«

 

 
USA 2011
Anbieter: Ascot Elite
FSK: 12
L: 99 Min.

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