Game of Thrones: Blood of My Blood (S06E06)

»Game of Thrones: Blood of My Blood« (S06E06)

Foto: © HBO

Falsches Spiel mit König Tommen: Der junge Herrscher löst den Konflikt mit der Glaubensmiliz selbst, indem er ein Bündnis zwischen Altar und Thron ausruft. Der naive König ist zur Marionette geworden. Doch wer zieht die Strippen? Der High Sparrow? Oder gar seine undurchsichtige Gattin Queen Margaery? »Blood of My Blood« ist voller Täuschungen. Figuren geben sich als jemand anders aus und belügen doch nur sich selbst

Das Ende von »The Door« überraschte mit einem außerordentlich aufwühlenden Finale, dessen Einschlag im Internet noch lange nachwirkte. »Blood of My Blood« schenkt dem Zuschauer dagegen eine Atempause, um sich von dem Schock über Hodors Tod zu erholen. Keine allzu großen Überraschungen, keine große Aufregung, keine Tote. Im gemächlichen Tempo bewegen sich die Figuren auf dem Spielbrett ein Feld weiter und versichern sich der Richtigkeit ihres Kurses. Die akuten Krisenherde Winterfell und Meereen werden ausgespart, der Konflikt in King’s Landing durch eine Zwischenlösung entschärft. Die Ruhe ist jedoch trügerisch; unter der Oberfläche brodelt es weiter. Früher oder später wird es in King’s Landing brennen, wie Brans Visionen verraten. »Blood of My Blood« ist daher nur ein kurzes Luftholen zwischen den Katastrophen.

»All the world’s a stage, and all the men and women merely players«, heißt es bei Schakespeare. Nicht selten inszeniert »Game of Thrones« sein Geschehen als vergängliches Welttheater. Jeder trägt eine Maske, mit der er andere wie auch sich selbst zu täuschen versucht. In »Blood of My Blood« gibt Arya vor, eine eiskalte Killerin zu sein und offenbart hinter Bühne doch ihr wahres Wesen: Mercy. Sie verschont ihr Opfer und entsagt dem Todeskult der Faceless Men. Sie ist halt doch ein Stark. Sie wählt das Richtige, auch wenn es den eigenen Untergang bedeutet. »It's not an easy thing admitting to yourself what you really are«, sagt Margaery Tyrell in King’s Landing. Sie gibt sich jetzt in der Rolle der geläuterten Glaubenden, was sie passenderweise vor dem Walk of Atonement verschont und in eine neue Machtposition bringt. Auch Gilly bleibt sich treu. Sam stellt sie seiner Familie in Horn Hill als junge Jägerin aus Westeros vor. In der Konfrontation mit Sams kaltherzigem Vater bekennt sich Gilly jedoch zu ihrer Identität als Wildlingsfrau.

Während die Frauen in »Blood of My Blood« zu sich selbst finden, scheitern die Söhne von Westeros an dem Bild, das ihre Väter von ihnen haben. Enttäuscht muss Jaime mit ansehen, wie er seinen Sohn an den High Sparrow verliert. King Tommen verbannt seinen Vater aus der Königswache und schickt ihn nach Riverrun, um die Belagerung des Blackfish zu beenden. In den Twins ärgert sich Walder Frey derweil über die Unfähigkeit seiner Söhne, die Festung überhaupt an Brynden Tully verloren zu haben. Freys verbale Ausfälligkeit kann jedoch nicht mit der vernichtenden Verachtung mithalten, die Lord Randyll Tarly seinem Sohn entgegenbringt. Beim gemeinsamen Abendessen steckt Sam heftig ein. Doch gibt ihm Gilly Mut, sich gegen das Vermächtnis seines Vaters zu stellen. Er beschließt, sie und das Baby mit nach Oldtown zu nehmen und steckt dabei das Schwert Heartsbane ein, sein rechtmäßiges Erbstück. In den Kriegen, die da kommen werden, wird valyrischer Stahl sehr gefragt sein.

Sams Charakterentwicklung nimmt langsam an Fahrt auf. In Essos dagegen dreht sich Daenerys Targaryen im Kreis. Seit mehreren Staffeln kämpft ihr Handlungsstrang mit Redundanz und ermüdender Wiederholung. In »Blood of My Blood« demonstriert sie mithilfe ihres Drachen Drogon, dass sie zum Erobern bestimmt ist und nicht zum Herrschen. Wieder einmal werden geschwollene Worte deklariert, von der Reise nach Westeros und der Eroberung der Sieben Königreiche ist die Rede. Versprechen, auf deren Einlösung wir seit der ersten Staffel warten. Ihre Männer und sich selbst mag sie in den Glauben an ihre Unternehmung bestärkt haben, der Zuschauer bleibt aber skeptisch.

Auch jenseits der Mauer machen sich im Erzählstrang um Bran und Meera erste Ermüdungserscheinungen breit. »Blood of My Blood« setzt da an, wo uns »The Door« entlassen hatte. Hodors Opfer hat ein wenig Zeit geschunden, doch sind Bran und Meera von ihren Verfolgern eingeholt worden. Bevor die Untoten jedoch über das erschöpfte Paar herfallen konnten, eilt aus dem Nirgendwo ein schwarzverhüllter Reiter zur Hilfe: Benjen Stark, der tot geglaubte und wiederauferstandene Onkel aus der ersten Staffel. Die unvermeidbare Last Minute Rescue durch eine unverhofft wiederkehrende Figur ist ein Erzählklischee, dass »Game of Thrones« spätestens in dieser Staffel tot geritten hat. Vielleicht leidet die Serie ja doch unter dem Verlust der literarischen Vorlage.

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Kommentare

Schön, dass es bei Ihnen fundierte Kritiken zu dieser außergewöhnlichen Fernsehserie gibt! Jedoch ein Rechtschreibfehler, der Ihnen als professioneller Autor nicht passieren sollte: " ... scheitern die Söhne von Westeros an dem Bild, dass ihre Väter von ihnen haben."
www.das-dass.de

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