Disney+: »The Shards«

»The Shards« (Staffel 1, 2026). © FX

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Ryan Murphy verfilmt in Zusammenarbeit mit Bestsellerautor Bret Easton Ellis dessen gleichnamigen Roman um einen Serienmörder und eine elitäre College-Clique

Ganz unabhängig davon, was man von Bret Easton Ellis' und Ryan Murphys Œuvres hält, lässt sich nicht übersehen, dass beide gewisse Vorlieben teilen: Glamour und Sex, Popkultur und schicke Oberflächen, aber auch Mord und menschliche Kälte ziehen sich wie rote Fäden durch die Werke beider Männer. Dass der Schriftsteller und der Serienmacher sich nun für eine Adaption von Ellis' Roman »The Shards« zusammengetan haben, erscheint nur folgerichtig.

Zumindest in den Grundzügen ist die Geschichte der neunteiligen Verfilmung deckungsgleich mit der autobiografisch inspirierten, aber fiktionalen Vorlage. Bret (Igby Rigney), der auch als Off-Erzähler fungiert, und seine Clique starten 1981 in ihr letztes Jahr an der Highschool in Los Angeles. Seine Homosexualität lebt er heimlich aus, offiziell ist er mit Klassenkameradin Debbie (Hayes Warner) liiert, der Tochter eines oscarprämierten Hollywoodproduzenten. Gemeinsam mit dem Schul-Traumpaar Susan (Kaia Gerber) und Thom (Graham Campbell) verbringen sie ihre Zeit mit Drogen, Partys und Langeweile, wobei Bret sich auch die Nächte mit dem Schreiben um die Ohren schlägt. Doch dann bringt der mysteriöse neue Mitschüler Robert (Homer Gere) die eingespielte Gruppendynamik gehörig durcheinander, während parallel mehrere Mitschüler*innen verschwinden und ein in den Medien als »The Trawler« bekannter Serienmörder nicht nur die Jugend der Stadt in Atem hält.

Wer angesichts des Aufeinandertreffens von Ellis und Murphy einen Overkill in Sachen style over substance erwartet, dürfte anfangs positiv überrascht sein. Zwar spielt die Optik eine große Rolle, sowohl was das In-Szene-Setzen des attraktiven (und für eine Highschool unübersehbar zu alten) Ensembles als auch die Rekonstruktion der frühen Achtziger in Kostümen und Kulissen angeht, doch die Umsetzung ist so sorgfältig wie hochwertig. Und die Beschallung durch Hits jener Zeit ist omnipräsent, aber eben auch stimmig. Aus dem Ruder läuft diese Kollaboration in dieser Hinsicht also nicht. Bereits nach einigen Folgen allerdings entfernt sich die Serie zusehends vom Roman, und es wird bald offenkundig, dass Murphy zwar viel anfangen kann mit dem Serienkiller-Motiv, sich aber weniger für andere der angerissenen Themen interessiert – seien es Einsamkeit und die Ängste junger Menschen, die Ahnung, dass jede Art von Unschuld früher oder später zu einem Ende kommt, oder auch nur die literarische Kunst der Joan Didion. Entsprechend büßt »The Shards« jenseits der visuellen Schauwerte (und starker Nebendarsteller*innen wie Wes Bentley oder Evan Rachel Wood) zusehends an Reiz ein, auch weil die Dialoge mit einer gewissen Redundanz und die Handlung mit manchem Hänger daherkommen. Ausgerechnet beim Sex lässt die Serie dann, im Gegensatz zur Gewalt, Zurückhaltung walten: Anders als man es von Ellis und Murphy sonst gewohnt ist, wird hier – ganz im Sinne der angeblichen Gen-Z-Prüderie – eher davon gesprochen, als dass nackte Tatsachen tatsächlich zu sehen sind.

OV-Trailer

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