Nachruf: Sam Neill
Sam Neill in »Jurassic World: Ein neues Zeitalter« (2022). © Universal Studios
14.9.1947 – 13.7.2026
Fast fällt ihm die Sonnenbrille herunter, die er hektisch und mit zitternden Händen abzunehmen versucht. Unfähig, den Blick abzuwenden, dreht er den Kopf seiner Kollegin Ellie Sattler und richtet ihn auf das, was er selbst nicht in Worte fassen kann. Es ist dieses ungläubige, fast kindliche Staunen auf Sam Neills Gesicht, durch dessen Blick wir zum ersten Mal einen »echten« Dinosaurier sehen. Die Rolle des Paläontologen Dr. Alan Grant in Steven Spielbergs »Jurassic Park« machte Neill 1993 weltberühmt, für »Jurassic Park III« und »Jurassic World: Ein neues Zeitalter« verkörperte er Grant erneut.
Geboren wurde Nigel John Dermot Neill 1947 in Nordirland als Sohn eines neuseeländischen Offiziers und einer Engländerin. 1954 zog die Familie nach Christchurch, Neuseeland. Weil sein bester Freund ebenfalls Nigel hieß, nannte er sich fortan Sam. Nach einem abgebrochenen Jurastudium entdeckte er an der Canterbury University Drama Society die Schauspielerei – bemerkenswert für jemanden, der als Kind stark stotterte. In den 1970er und 1980er Jahren spielte Neill in zahlreichen neuseeländischen und australischen Produktionen, international bekannt wurde er als erwachsener Damien in »Omen III« und durch Andrzej Żuławskis Horrorklassiker »Possession«. Er galt zeitweise gar als möglicher Nachfolger Roger Moores als James Bond, sagte später jedoch oft, er sei froh, nie Ex-007 geworden zu sein.
Obwohl ihm die Sanftmut, nicht selten versteckt hinter einer mürrischen Fassade, am besten stand, genoss er es auch, fiese Charaktere zu spielen, wie in »Das Piano« oder als Major Campbell in »Peaky Blinders«. Im »Guardian« sagte er kurz vor seinem Tod: »I’d like to think that, in life, I’m a goodie.« Abseits der Leinwand lebte er auf einer Farm mit Tieren, die nach Freunden benannt waren, darunter eine Kuh namens Helena Bonham Carter, ein Hahn namens Michael Fassbender oder Ziegenbock Jeff Goldblum. 2022 erhielt Neill die Diagnose Leukämie, die dank monatlicher Chemotherapien in Remission ging. Sein Wunsch, den ersten Chardonnay seines Weinguts noch zu probieren, erfüllte sich nicht mehr. Sam Neill starb am 13. Juli im Alter von 78 Jahren an einer Lungenentzündung.





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