Kritik zu Der perfekte Schein – Der Fall Bojarski

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Nach der Krimikomödie »Eine Frau mit berauschenden Talenten« wendet sich Jean-Paul Salomé nun der dramatischen Seite des Verbrechens zu und ­erzählt die historisch verbürgte Geschichte eines begnadeten Geld­fälschers und des Kommissars, der ihn fünfzehn Jahre lang jagt.

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Wäre Jan Bojarski nicht ein polnischer Flüchtling ohne Papiere gewesen, hätte er nach dem Zweiten Weltkrieg gewiss eine illustre Karriere als Erfinder hinlegen können. An zukunftsweisenden Einfällen gebrach es ihm nicht: Er entwarf einen Füller, der nicht kleckst, einen Deoroller sowie genau portionierte Kaffeepads; die elektrische Zahnbürste hingegen ist eine verschmitzte Drehbuchidee.

Da deren Patentierung indes an der Fremdenfeindlichkeit der französischen Behörden scheiterte, musste er sich auf ein anderes Talent besinnen: das Fälschen von Ausweisen und Banknoten. In der zweiten Disziplin entwickelte er eine solche Kunstfertigkeit, dass die Presse ihn den »Cézanne der Geldfälscher« taufte. Dieser Kosename war klug gewählt: Wie der Maler widmete sich Bojarski beharrlich einer kleinen Auswahl an Motiven und arbeitete an der Schärfung des eigenen Blicks. Auch die erste Hälfte des deutschen Verleihtitels ist nicht dumm: Während Bojarski (Reda Kateb) in Jean-Paul Salomés Biopic nach der Vervollkommnung seines Metiers strebt, führt er eine unauffällige bürgerliche Existenz als galanter Ehemann und liebevoller Familienvater. Seiner wackeren Frau Suzanne (Sara Giraudeau) gesteht er erst nach vielen Jahren, womit er den Lebensunterhalt tatsächlich verdient. Derweil heftet sich Kommissar Mattei (Bastien Bouillon) mit Engelsgeduld und unfehlbarem Instinkt an seine Fersen.

Der Film ist strukturiert in Kapiteln, die nach Bojarskis Meisterwerken benannt sind: »Minerva und Herkules« (1951), »Das Land und das Meer« (1955) und schließlich der »Bonaparte« von 1960. All diese Scheine galten als fälschungssicher, aber Bojarski war den Graveuren der Banque de France immer einen Schritt voraus. Hier erzählen Salomé und sein Co-Autor Bastien Daret nebenbei auch eine kleine Kulturgeschichte des Landes, dessen Banknoten erst mythische Motive und dann Nationalhelden zieren. Man erfährt wahnsinnig viel über dieses eigentümliche Handwerk, die detailgetreue Gravur, die Suche nach dem idealen, reißfesten Papier und nicht zuletzt die umsichtige Verbreitung der Blüten. Viele Actionszenen braucht es nicht. Salomé, selbst ein inspirierter Handwerker, findet es schon spannend genug, seinem Helden bei seiner verstohlenen, einsamen Arbeit zuzuschauen.

Die Epoche rekonstruiert er nicht übermäßig akribisch, dafür hat er Darsteller besetzt, deren Erscheinung wunderbar zeitgenössisch anmutet. Was Salomé hingegen ausführlich wiederherstellt, sind Stilelemente und Atmosphäre des französischen Kriminalfilms der Nachkriegszeit. Er hat eine ehrfürchtige Tour d’Horizon des Genres im Sinn: Es nähme nicht wunder, wenn plötzlich Gabin, Ventura oder Belmondo auf den Plan träten. Der Name des Kommissars stammt geradewegs aus Melvilles »Vier im roten Kreis«, und Salomé nimmt Maß an dem Katz-und-Maus-Spiel, das Delon und Trintignant in »Flic Story« verbindet. Dabei geht es nicht nur um die klassische Spiegelbildlichkeit von Polizist und Verbrecher, sondern auch um deren geradezu freundschaftliche Annäherung. Ein Gipfeltreffen auch der Schauspielkunst. Mattei weiß genau, was in Bojarski vorgeht. Er ist der Einzige, der seine Meisterschaft wirklich einschätzen kann: Er macht es nicht des Geldes wegen, sondern will, dass seine Fälschungen besser werden als das Original.

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