Kritik zu Transit Times

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Aus Moldau kommen selten Filme. Ana-Felicia Scutelnicu füllt die Lücke mit einer präzisen und atmosphärischen Schilderung aus der 90er-Jahre-Umbruchsphase der ehemaligen Sowjetrepublik.

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»In Moldau läuft es sehr schlecht«, hört man an einer Stelle jemand im Radio sagen. Es ist ein Satz, der die Figuren von Ana-Felicia Scutelnicus »Transit Times« quasi als schmerzendes Leitmotiv begleitet. In fast unheimlich naturalistischen Bildern – wo bloß hat die Regisseurin diese Orte gefunden, in denen es tatsächlich noch nach 1997 aussieht? – schildert Scutelnicu eine ganz gewöhnliche Familiengeschichte.

Die vierzigjährige Zina (Marina Palii) und ihr Ehemann Victor (Ion Munteanu) gehörten zu Sowjetzeiten zur künstlerischen Intelligenzija. Sie arbeitet zwar noch immer in ihrem Job als Bühnenbildnerin an einem Kindertheater, hat aber schon seit Monaten keinen Lohn mehr bekommen. Victor ist Maler, kann seine Kunst aber selbst dann nicht verkaufen, wenn er sich an die Straße zu den vielen alten Frauen setzt, die mit Billigware versuchen, Geld zu machen. Trotz der zunehmenden materiellen Not soll ihre Tochter Eva (Arina Mura) weiter an der Musikschule bleiben, wo sie Klavier studiert. Es ist Zina ungeheuer wichtig. Bald sieht sie keinen anderen Ausweg mehr, als die eigene Wohnung an Ausländer zu vermieten, um etwas zu verdienen. Sie selbst schläft im notdürftig zum Atelier umgewandelten Keller. Was mit einer Nacht beginnt, wird ein längerer Vorgang, dessen Konsequenzen sie nicht bedenkt – oder nicht bedenken will.

Dass Victor sich von ihr trennt und als Ikonenmaler in einem wiedereröffneten Kloster anfängt, nimmt sie schulterzuckend hin. Sie haben sich schon lang entfremdet. Dass Eva aber im Geheimen den Klavierunterricht aufgibt und mit Freundin Natascha in einem ominösen Club anheuert oder mit einem älteren Franzosen flirtet, von alldem bemerkt Zina so gut wie nichts. Erst als es fast zu spät ist, ergreift sie die Initiative, um wenigstens die Tochter nicht ganz zu verlieren.

Scutelnicus Film ist so gesättigt mit spezifischen Details der schwierigen postsowjetischen Umbruchsphase, dass man die Handlung darüber streckenweise aus den Augen verliert. Alles fühlt sich ungeheuer authentisch und wie nach eigener Erfahrung an: Wie die Kirche wieder Gewicht bekommt, wie mafiöse Strukturen die Straße übernehmen, wie das zivile Leben, so wie es Zina kannte, sich nach und nach auflöst, weil der Staat kein Geld mehr hat, um Schulen, Theater oder Ähnliches zu fördern. Eine Opernvorstellung muss abgebrochen werden, weil der Strom abgestellt wird.

Angesichts all dessen ist es kein Wunder, dass um Zina herum immer mehr Freundinnen und Kollegen das Land verlassen. Eine ältere Bekannte fühlt sich schon wegen des behinderten Sohns zum Auswandern gezwungen. Das Heim, das ihn bislang versorgte, wurde zugunsten des wiedereröffneten Klosters aufgelöst. Außerdem hat die Jüdin, die als Kind im KZ war, nicht unberechtigt Angst, demnächst wieder verfolgt zu werden. Andere Kollegen fälschen sich Pässe, um als Juden deklariert leichter in die USA oder nach Deutschland auswandern zu können. Man will Zina überreden, es ihnen gleichzutun, aber sie hängt an ihrem alten Leben, auch wenn es das nicht mehr gibt. Scutelnicu gelingt damit ein ausgesprochen dichtes Porträt einer Zeit, die Probleme geschaffen hat, die bis heute nicht bewältigt sind.

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