arte-Mediathek: »The Hack«
»The Hack« (Miniserie, 2025). © ITV
Der britische Charakterdarsteller David Tennant war vor 20 Jahren Opfer eines Abhörskandals. Jetzt spielt er den Reporter, der die Affäre aufdeckte
David Tennant, ein aufmerksamer Beobachter des Zeitgeschehens, war, so schreibt er auf seiner Website, »fasziniert, entsetzt, schockiert«, als ab 2006 Berichte erschienen, wonach im Auftrag britischer Revolverblätter Anrufbeantworter abgehört, Einbrüche begangen, Bestechungsgelder gezahlt wurden, um an intime Informationen zu gelangen. Betroffen waren Prominente, Politiker, die Royals, Angehörige von Anschlagsopfern und Kriegsgefallenen. Selbst vor der Privatsphäre eines ermordeten Teenagers machten die Strolche nicht halt.
Die Polizei begann – zögerlich – zu ermitteln. Eines Tages erhielt Tennant einen Anruf der Behörde: Auch er sei betroffen. »Damals war ich bei »Doctor Who«, also gab ich wohl eine gute Geschichte ab …«, sagte der Schauspieler später lakonisch im Gespräch mit dem »Guardian«. Er war der Hauptdarsteller der Serie. Und die ist ein nationales Kulturgut. Die verschachtelte Affäre reichte bis in die Regierung des konservativen Premiers David Cameron. Andy Coulson, der später zu 18 Monaten Gefängnis verurteilte ehemalige Chefredakteur des Boulevardblatts »News of the World«, leitete dessen Kommunikationsstab. Dieses Geflecht aus Medienmacht, Einschüchterung, Korruption, krimineller Energie war kaum zu durchdringen. Nick Davies, freier Mitarbeiter der Tageszeitung »The Guardian«, blieb jedoch hartnäckig. Die ITV-Arte-Serie »The Hack« erzählt seine Geschichte. Gespielt wird er von – David Tennant.
Hauptautor Jack Thorne, zuvor unter anderem mit »This Is England«, »Glue« und »Adolescence« hervorgetreten, verknüpft geschickt zwei scheinbar unzusammenhängende Handlungsstränge, widmet die Episoden 1 und 3 den journalistischen Recherchen zum Treiben der Boulevardblätter, die Folgen 2 und 4 einer Mordermittlung. Der klassisch erzählte Krimi nähert sich alsdann dem Hauptthema: Die Familie von Detective Chief Superintendent Dave Cook, brillant gespielt von Robert Carlyle, wird von Bütteln der Boulevardpresse bedrängt.
Reporter Nick Davies dagegen blinzelt uns von der Metaebene zu, spricht direkt das Publikum an, stellt Transparenz her. Eine Verfilmung realer Begebenheiten bedarf erzählökonomischer Entscheidungen. Nick Davies legt Abweichungen offen, spricht an, wenn eine gezeigte Begegnung eigentlich anderswo stattgefunden hat, und ulkt: »Aber diese Kulisse tut's.« Seine Kommentare und surreale Einsprengsel geben der Geschichte eine kaustische Note, ohne das verstörende Geschehen komödiantisch zu entschärfen.
Die Qualitätsmerkmale dieser Serie: eine durchdachte Dramaturgie, pfiffige Kameraführung, ungekünstelte Dialoge, intensive Schauspielleistungen – anhaltende Relevanz. Bevor er auf den Abhörskandal stieß, untersuchte Nick Davies in Kooperation mit der Cardiff School of Journalism, Media and Culture rund 2000 Zeitungsartikel. Ergebnis war das Buch »Flat Earth News«. Die darin aufgezeigten Mängel kennen wir auch in Deutschland: ungeprüfte Tatsachenbehauptungen, eklatante Fehler. Moniert wird der Zustand nur im wissenschaftlichen Bereich. Die Praktiker weisen jede Kritik zurück.
OV-Trailer




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