Politischer Sport, politischer Film - Newsletter 01.08.2024

Politischer Sport, politischer Film

Der Kinostart von »Tatami« könnte kaum aktueller sein: Der Film erzählt die Geschichte einer iranischen Judoka, die bei den Weltmeisterschaften in Georgien gegen ihre israelische Kontrahentin antreten soll und vom iranischen Regime aufgefordert wird, den Kampf nicht anzutreten. Wie nah diese Geschichte an der Realität ist, zeigen die aktuellen Olympischen Spiele. Der marokkanische Judoka Abderrahmane Boushitaalgerische verweigerte nach seinem Kampf gegen den Israeli Baruch Shmailov den Handschlag, der algerische Judoka Messaoud Redouane Dris trat seinen Kampf gegen Tohar Butbul gar nicht an. Allessamt aus Ablehnung gegenüber dem Staat Israel.

Während der reale Sport also durch Hass überlagert ist, setzt »Tatami« ein Zeichen des Friedens und des Miteinanders. Es ist der erste Spielfilm bei dem ein Israeli (Guy Nattiv) und eine Iranerin (Zar Amir Ebrahimi) gemeinsam Regie führen.

Für die Schauspielerin Zar Amir Ebrahimi ist es zudem die erste Regiearbeit und das nächste Kapitel einer besonderen Geschichte. 2006 beendete ein Sextape-Skandal ihre Karriere in der iranischen Heimat und sie floh nach Frankreich, wo sie noch einmal von vorn anfing. Mit »Holy Spider« gelang ihr schließlich 2022 der internationale Durchbruch. Maxi Braun erzählt ihre Geschichte noch einmal für unsere »Nahaufnahme«.

von: 
In ihrer Heimat Iran war Zar Amir Ebrahimi schon ein TV-Star, als ein Sextape-Skandal ihre Karriere beendete.
Filme der Woche: 

Tatami

Der erste Spielfilm, bei dem ein Israeli und eine Iranerin gemeinsam Regie führen, ist zugleich ein packendes Sportdrama mit rasant inszenierten Judokämpfen und ein politischer Thriller um strukturelle Unterdrückung, individuelle Freiheit und persönliche Verantwortung.

Shahid

Die Iranerin Narges versucht in Deutschland ihren zweiten Nachnamen »Shahid« loszuwerden, der übersetzt Märtyrer bedeutet. Narges Kalhors Mashup aus Dokumentar- und Spielfilm, Musical und Theater verhandelt tragikomisch Themen wie Zugehörigkeit, Identität und Integration und reflektiert das Filmemachen selbst. Ein experimentell in alle Richtungen flirrender, wagemutiger Film.

Was will der Lama mit dem Gewehr?

Und wieder erreicht uns eine Wahrheit aus dem fernen Himalaya-Staat Bhutan, die besagt, dass Weisheit und Mitgefühl nur gedeihen, wenn Gewalt und Leid begraben werden. Dargebracht ohne esoterischen Firlefanz in Form der Geschichte einer Dorfgemeinschaft, die vom politischen Umbruch der Nuller-Jahre staunend erschüttert wird.

Ein klebriges Abenteuer: Daffy Duck und Schweinchen Dick retten den Planeten

Grüner Schleim aus dem All droht die Erdbevölkerung in willenlose Wesen zu verwandeln, doch Daffy Duck und Schweinchen Dick sind zur Stelle. Der neue Zeichentrickfilm mit den bekannten »Looney Tunes«-Figuren ist leider sehr viel weniger durchgeknallt als seine Vorgänger.