Newsletter 12.01.2023

Warum töten sie Frauen?

Ali Abbasis »Holy Spider« und die Revolte im Iran

Der Aufstand im Iran scheint allmählich aus den Nachrichten zu verschwinden. Aber Massenverhaftungen, Tote auf den Straßen und Hinrichtungen haben den Protest nicht erstickt.  Heute kommt mit Ali Abbasis »Holy Spider« ein Film ins Kino, der zeigt, worum es bei der Revolte an vorderster Stelle geht, was sie ausgelöst hat. Basierend auf dem Fall eines Serienkillers, der im Iran Anfang der 2000er Jahre 16 Frauen ermordete, entwirft Abbasis Thriller das eindringliche Bild einer von Bigotterie und Misogynie zerfressenen Gesellschaft. Abbasi selbst lebt seit langem in Skandinavien; seinen internationalen Durchbruch hatte er mit dem "soziologischen" Fantasydrama »Border«. Auch Zar Amir-Ebrahimi, die in »Holy Spider« die Hauptrolle spielt, hat den Iran verlassen. Sie gehört zu der großen Zahl Filmschaffender, die in den vergangenen Monaten die Proteste öffentlich unterstützt haben. Ihre Geschichte und die anderer iranischer Schauspielerinnen im Fokus des Regimes erzählt Maxi Braun.

Schon zurückgeblättert? Was war schön, aufregend, erleuchtend im Kino? Noch bis Ende Januar läuft unsere Umfrage zu Ihren Filmen des Jahres 2022. Unter allen Einsendern verlosen wir Bücher und DVDs.

Filme der Woche: 

Acht Berge

Das Regiegespann Felix von Groeningen und Charlotte Vandermeersch (»The Broken Circle«) konzentriert sich weniger auf die Schauwerte der Bergkulisse, sondern auf die Chronik einer einzigartigen Freundschaft, die tief im Aostatal verwurzelt ist. Der Titel bezieht sich auf eine Parabel über die Weisheit, die in der Bodenständigkeit wie der Entdeckerfreude liegt.

Berlin JWD

Eine auch für Nicht-BerlinerInnen gewinnbringende sinnlich-historische Erkundung städtischer Topografie jenseits des Urbanen.

In der Nacht des 12.

Ein grauenvoller Mord in erhabener Bergkulisse: Bei lebendigem Leibe wird ein Mädchen verbrannt. Dominik Moll schildert in seinem präzise beobachteten und Erwartungen unterlaufenden Film noir die Tätersuche, erzählt vom intimen Verhältnis der Ermittler zu ihren Fällen – und von einer Welt, in der zu vieles nicht in Ordnung ist.