Nachruf: Angelica Domröse
Angelica Domröse in »Bis zum Horizont, dann links!« (2012). © Neue Visionen Filmverleih
4.4.1941–15.5.2026
Porträts starker, eigenwilliger Frauen waren in DDR-Filmen keine Ausnahme: Jutta Hoffmann in »Der Dritte«, Heidemarie Wenzel in »Die Taube auf dem Dach«, Christine Schorn in »Die Beunruhigung«, Renate Krößner in »Solo Sunny«. Dazu gehört auch die Figur der Verkäuferin, ledig mit zwei kleinen Kindern, die Angelica Domröse 1973 in Heiner Carows »Die Legende von Paul und Paula« verkörperte, mit einer eigenwilligen Mischung aus In-sich-Ruhen und emotionalem Überschwang. »Keine Sorge: Wenn ich heule, ist alles in Ordnung«, sagt sie einmal. Ungewöhnlich war der Tonfall des Films, schon aus seinem Titel ersichtlich. Den Funktionären gefiel der nicht, wohl aber dem Publikum – »weil die Figuren in dem Film geträumt haben«, hat Domröse später gesagt, das »könne man den Menschen nicht wegnehmen«. Genau das versuchten diese Funktionäre wenige Jahre später, als sie den Liedermacher Wolf Biermann aus der DDR ausbürgerten: Die Petition dagegen, die sie, ihr Ehemann Hilmar Thate und weitere DDR-Künstler 1976 unterzeichneten, läutete eine unangenehme Zeit für sie ein, über die sie 2003 in ihren Erinnerungen berichtet. 1980 reiste das Paar aus; eine von Domröses ersten Arbeiten in der BRD, der Fernsehfilm »Hanna von acht bis acht«, das Porträt einer Barfrau (den sie zu ihren wichtigsten bundesdeutschen Arbeiten zählte), brachte sie wieder mit Egon Günther zusammen, später arbeitete sie erneut mit Frank Beyer und Heiner Carow an Gegenwartsstoffen. Einen Film wie die im Jahr 1988 angesiedelte Ost-West-Liebes-(und Stasi-)Geschichte »Die Verfehlung« wollte 1992 niemand im Kino sehen. Erfolge aber feierte sie auf der Bühne.
Glücklicherweise lässt sich Domröses Karriere, die 1959 mit »Verwirrung der Liebe« begonnen hatte, für den Slatan Dudow sie aus über tausend Bewerberinnen auswählte, nicht auf »Paul und Paula« reduzieren. Dass einem spontan so wenige Kinofilme mit ihr einfallen, dürfte auch daran liegen, dass sie im Theater und Fernsehen ebenso präsent war, in Literaturverfilmungen wie »Effi Briest« und »Unterm Birnbaum«, in historischen Mehrteilern wie »Krupp und Krause« oder »Wege übers Land«. Da ist einiges wiederzuentdecken.





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