Interview: Gurinder Chadha über ihren Film »Blinded by the Light«

Gurinder Chadha (Mitte) am Set von »Der Stern von Indien« (2017). © Tobis Film

Gurinder Chadha (Mitte) am Set von »Der Stern von Indien« (2017). © Tobis Film

Miss Chadha, »Blinded by the Light« basiert auf dem autobiografischen Buch »Greetings From Bury Park« von Sarfraz Manzoor. Fanden Sie lediglich die Geschichte gut – oder haben Sie selbst einen Bezug zur Musik von Bruce Springsteen?

Oh, ich bin schon sehr lange ein riesiger Springsteen-Fan. Und Sarfraz und ich waren schon befreundet, bevor er das Buch schrieb. Als ich es schließlich las, wusste ich auch sofort, wie man es für die Leinwand adaptieren könnte. Allerdings war mir auch gleich klar: ohne Springsteens Segen und die damit einhergehenden Rechte für seine Songs würden wir die Sache vergessen können.

Das klingt nicht unbedingt nach einer Hürde, die sich ohne weiteres überwinden lässt...

Der Zufall spielte uns ein wenig in die Hände, denn ich wurde 2010 zur Premiere von Bruces Album »The Promise« eingeladen – und nahm Sarfraz als meine Begleitung mit. Als Pakistani mit großem Afro war er kaum zu übersehen, und Bruce kam noch auf dem roten Teppich auf uns zu und gratulierte ihm zum Buch, das ihm sehr gefallen hatte. Ich nutze den Moment und berichtete von unseren Filmplänen. Tatsächlich bekam ich schließlich die Genehmigung, jeden seiner Songs zu verwenden, den ich haben wollte.

Wann haben Sie selbst denn Springsteens Musik für sich entdeckt?

Als Teenager in der Schule. Damals jobbte ich nebenbei bei Harrods in der Plattenabteilung und hörte eigentlich überwiegend Disco und Reggae. Eines Tages drückte mir ein Bekannter das Album »Born to Run« in die Hand. Schon das Cover faszinierte mich, denn den Anblick eines Weißen und eines Schwarzen, die gemeinsam lachen und musizieren, fand ich ungewohnt. Und dann begeisterte mich die Musik: Jeder Song erzählte eine richtige Geschichte, wie ein kleiner Film. Als ich Springsteen 1984 zum ersten Mal live sah, war es endgültig um mich geschehen. Später war ich auch begeistert von »The Rising«, für mich die eloquenteste Antwort auf den 11. September 2001. Aber mein absolutes Lieblingsalbum von ihm ist wohl »The Ghost of Tom Joad«.

Wie so viele andere britische Arthouse-Filme spielt auch »Blinded By The Light« in den Thatcher-Jahren. Warum kommt das britische Kino von dieser Epoche scheinbar nicht los?

Allgemein liegt das sicherlich daran, dass viele Probleme und Sorgen unseres Landes genau dort ihren Ursprung haben. Thatcher war es, die mit ihrer Wirtschaftspolitik und den Schwächen der Gewerkschaften dafür sorgte, dass sich die Schere zwischen Arm und Reich so unfassbar zu öffnen begann. Mir persönlich ging es allerdings auch darum, ein Zeichen zu setzen. Ich bin nachhaltig empört über die Ausländerfeindlichkeit und den Chauvinismus, die durch das ganze Brexit-Verfahren ans Tageslicht gekommen sind. Diese Geschichte genau jetzt ins Kino zu bringen ist deswegen auch meine Art zu sagen: wir wollen nicht zurückfallen in die Zustände, die damals herrschten!

Um noch kurz beim britischen Kino zu bleiben: Sie inszenieren seit den 90er Jahren immer wieder Filme mit nicht-weißen Protagonisten. Stoßen Sie heutzutage noch auf die gleichen Schwierigkeiten, was die Finanzierung solcher Geschichten angeht, wie früher?

Glauben Sie mir, es ist immer ein Kampf. Immer und immer wieder wird mir gesagt, Filme bräuchten weiße Hauptdarsteller, um kommerziell zu sein – und ich habe Zeit meines Lebens versucht zu beweisen, dass das nicht stimmt. Ziemlich häufig ist es mir gelungen. Was diese immer gleichen Diskussionen umso empörender macht. Und vermutlich wird leider auch »Blinded by the Light« an der Situation nichts ändern.

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