Fürst der Finsternis – Der britische Schauspieler Christopher Lee ist gestorben

Christopher Lee

Foto: © Warner

Er war Graf Dracula, der finstere Count Dooku in Star Wars, der Zauberer Saruman in Herr der Ringe: Christopher Lee ist der dunkle Bösewicht des Films. Es gibt wohl kaum einen Kinofan, der Christopher Lee nicht kennt. Mit rund 280 Auftritten auf der Leinwand und im Fernsehen - ein einsamer Rekord - hat er sich in das kollektive Gedächtnis der populären Kultur eingebrannt. Und da war er meist auf der dunklen Seite der Macht, um einmal mit George Lucas zu sprechen. In dessen Star Wars-Saga spielte Lee in der zweiten Episode Count Dooku, auch ein Jedi-Ritter, aber ein böser. Mit ihm legen sich Obi-Wan und Anakin Skywalker an. 

Der Lichtschwert-Kampf mit ihm ist ein Höhepunkt der ganzen Saga, und mit grazilen Bewegungen wehrt der um vieles Ältere die Angriffe der jungen Jedis ab. Eine fast arrogante Aura umweht diesen Count Dooku. Der aristokratische Habitus, gepaart mit trockenem Charme und einem mitunter fast stechenden Blick, dürfte das Erfolgsrezept des britischen Schauspielers sein.

Dabei war ihm der Erfolg nicht gerade in die Wiege gelegt. Mit seiner Größe von 1,96 Meter tauge er nicht zum Schauspieler, hätten ihm die Produzenten gesagt, erzählte Christopher Lee immer wieder gerne. Ende der 40er Jahre landete der 1922 als Sohn eines Offiziers und einer italienischen Gräfin in London geborene Lee dann beim Film, spielte unter anderem bei Terence Young (Valley of the Eagles), Raoul Walsh (Captain Horatio Hornblower) oder John Huston (Moby Dick). Doch meist kam er in den ersten Jahren seiner Karriere über kleinere Rollen nicht hinaus.

 

Sein Durchbruch begann, als ihn das britische Studio Hammer Film Ende der 50er Jahre verpflichtete. Hammer machte sich in den 50er und 60er Jahren einen Namen mit den Neuverfilmungen klassischer Horrorstoffe, mit grellbunten Farben und mit für die Zeit ziemlich expliziten Gewaltszenen. 1957 verkörperte Lee in seinem ersten Hammer-Film Frankensteins Fluch das Monster, das sich von seinem Schöpfer emanzipiert.

Den Wissenschaftler selbst spielte Peter Cushing, der auch als Vampirjäger Van Helsing des öfteren Jagd auf Christopher Lee machte. Denn 1958 gab das Studio Lee in Dracula die Rolle, die ihn unsterblich machte. Christopher Lee verlieh der Vampirfigur ein neues Gesicht. Hatte sein Vorgänger Bela Lugosi den Blutsauger als dunklen Dämon interpretiert, so verkörperte er ihn als intelligenten Weltmann und eleganten Verführer - Vampire haben es ja meistens auf Frauen abgesehen. Lee wurde der wahrscheinlich populärste Dracula-Darsteller der Filmgeschichte.

Bis Mitte der 70er war Christopher Lee immer wieder Graf Dracula, und mit dem Titel Prince of Darkness, wie einer seiner Dracula-Filme hieß, lässt sich gut seine Karriere als Bösewicht beschreiben: Fünf Mal hat er den Meisterkriminellen Fu Man Chu gegeben, er war der Mönch Rasputin und der englische Blutrichter Kord Jeffreys. Und den leibhaftigen Luzifer hat er auch gespielt, in Poor Devil (1971) an der Seite von Sammy Davis Jr..

Hammer setzte den Star auch in anderen Horrorfilmen ein, etwa in Der Hund von Baskerville oder Die Rache der Pharaonen. Sogar in deutschen Genreproduktionen spielte Lee: Das Publikum der Edgar-Wallace-Filme sah ihn in Das Rätsel der roten Orchidee (1961) und Das Geheimnis der gelben Narzissen (1962). Seinen vielleicht profiliertesten Bösewicht gab er als Gegenspieler von James Bond in Der Mann mit dem goldenen Colt (1974).

Aber der Schauspieler hat auch immer den Ausbruch aus seinem Image gewagt. Lee, der gerne Opernsänger geworden wäre, hat CDs aufgenommen, »Peter und der Wolf«, Strawinskys »Die Geschichte vom Soldaten« und auch Arien von Richard Wagner, den Lee verehrte. Mit der Heavy-Metal-Band »Rhapsody« hat er einen Song eingespielt und ist mit der Band 2005 sogar aufgetreten.

Aber seine schönste Altersrolle war wieder ein Bösewicht: der Zauberer Saruman in der Herr-der-Ringe-Trilogie von Peter Jackson. Das war eines der Lieblingsprojekte von Lee - auch wenn er im dritten Teil herausgeschnitten wurde. Schließlich hat er den Herr-der-Ringe-Autor J.R.R. Tolkien persönlich gekannt. Und auch in Peter Jacksons zweiter Tolkien-Trilogie Der Hobbit trat er im ersten und dritten Teil wieder auf, wenn auch nur kurz. Und so wurde der weißhaarige Zauberer zu seiner letzten Rolle. Christopher Lee starb, wie erst jetzt bekannt wurde, am 7. Juni in London.

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