Kritik zu Zoros Solo

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Im Kinodebüt von Martin Busker, ehemals Assistent von Rosa von Praunheim, geht es um eine verknöcherte Chorleiterin, die einem rotzfrechen Flüchtling verfällt, weil er engelsgleich singen kann

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Sie ist der verdiente Star dieses Films. Andrea Sawatzki spielt eine Frau, die, wie der afghanische Flüchtling Zoro erbarmungslos spottet, nicht so aussieht, gleichermaßen Hexe und gute Fee verkörpern muss und aus einem überzeitlichen Märchen entsprungen zu sein scheint. In der Realität landet sie etwas zu hart in einer Dorfkirche, die lieber Flüchtlinge beherbergt als ihren ausgezeichneten Knabenchor. Der Raum, in dem die Chorleiterin ihre Preise hortet, ist dementsprechend vollgestopft, und doch muss sie nun ihre Proben dort abhalten. Als ihr ein paar dunkelhäutige Jungen das Klavier in den neuen Raum transportieren, raunt es aus der Menge, die vor der Kirche für ein ausländerfreies Liebigheim demonstriert: »Die klauen auch alles, was nicht niet- und nagelfest ist.«

Angelegt ist Martin Buskers Film als Komödie mit Hintersinn, als frecher Kommentar zu den Klischees der sogenannten Flüchtlingskrise, mit herbem Dialogwitz und ohne Angst vor den Wächtern der political correctness. Beim Filmfest in seiner Heimatstadt Emden erntete Busker minutenlangen Applaus für sein Kinodebüt, doch ganz so einfach ist es nicht. Gemeinsam mit seinem Drehbuchautor Fabian Hebestreit versucht Busker die Form der Komödie zu füllen und inszeniert fortwährend statt einfach mal zuzuschauen. Die Demonstranten wirken wie auf einer Boulevard-Bühne vergessen, die halbdunkle Kirche wie eine verlassene Kultstätte und der Bus, mit dem der Chor schließlich zu einem Wettbewerb nach Ungarn fährt, wie aus dem Heimatmuseum des ländlichen Verkehrsvereins. Aus jeder Zeit gefallen fehlt es dem Film an Bodenhaftung, obwohl er doch ganz reale Probleme behandelt.

Als Zoro hört, dass der Chor nach Ungarn fährt, will er um jeden Preis mitfahren. Denn auf der Flucht hat Orbans Drahtzaun die Familie getrennt. Der Vater blieb allein in einem Lager zurück. Jetzt sieht Zoro eine Chance, ihn nach Deutschland zu schmuggeln. Dass er eine goldene Stimme hat, die ihn sofort zum Solosänger des Chores macht, weiß er selbst gar nicht. Wären wir in Hollywood, würde der Chor den Wettbewerb gewinnen, Zoro ein guter Mensch werden und die Familie glücklich in Deutschland integriert. Doch es kommt anders. Völlig anders.

Busker hat in seinem Märchen eine gute Prise Ironie versteckt. Der Dorfpolizist beispielsweise wohnt in einem Architektenhaus, das seine Frau gebaut hat, akzeptiert die Homosexualität seines Sohnes wortlos und tritt trotzdem auf wie Louis de Funès als Gendarm von Saint Tropez. Andrea Sawatzki ist auf der einen Seite die alte Jungfer ohne Mann und ohne jeden Humor, teilt aber verbale Seitenhiebe aus, dass selbst Zoro, der sie beständig Bitch, und später Frau Bitch nennt, zusammenzuckt. Und die Art, wie dann beide auf einer Ebene zusammenkommen, ist zumindest einfallsreich. Man sollte einmal genau hinschauen, bevor man diesen Film unter dem immer wieder despektierlichen Rubrum »deutsche Komödie« abheftet. Denn was hier entsteht, ist weniger ein Lehrstück über die integrative Kraft der Musik, als vielmehr eine lustige Abrechnung mit der wahnhaften Angst vor der alles überrennenden Migration.

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