Kritik zu Verbotene Filme

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Das verdrängte Erbe des Nazi-Kinos« heißt der Untertitel: Felix Moeller hat sich in seinem Dokumentarfilm mit den rund 40 »Vorbehaltsfilmen« aus der Zeit zwischen 1933 und 1945 befasst

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Heim ins Reich: Am Ende von Heimkehr fährt eine schier endlose Kolonne von Planwagen Richtung Horizont, auf einem Weg, der gesäumt ist von Naziflaggen. Zu guter Letzt schwenkt die Kamera, und der Film endet mit einem überlebensgroßen Bild Adolf Hitlers, unterlegt mit der Musik des Deutschlandliedes. Heimkehr erzählt von den Wolhyniendeutschen, die im polnisch-ukrainischen Grenzgebiet lebten, und weidet sich an den Drangsalierungen durch die Polen. Einmal wird eine Frau, die an ihrem Hals ein Hakenkreuz trägt, von einer wütenden Menge gesteinigt; viele Kinder sind dabei. Heimkehr kam 1941 ins Kino, kurz nach dem Angriff auf die Sowjetunion und zwei Jahre nach dem Überfall auf Polen, dem Beginn des Zweiten Weltkriegs. Dieser Film rechtfertigt diesen Überfall.

Heimkehr gehört zu den rund 40 »Vorbehaltsfilmen« aus der NS-Zeit. Deren Aufführung ist bis heute nur unter Auflagen möglich, etwa einer Einführung davor oder einer Diskussion danach. Die Murnau-Stiftung, der die Rechte gehören, prüft das im Einzelfall. Die übrigen rund 1.200 Filme, die in der NS-Zeit entstanden, sind frei zugänglich, liefen zum Teil über Jahrzehnte im Fernsehen. Ist das nicht der weit größere Skandal als die Auflagen?

Zu Beginn von Verbotene Filme zeigt der Filmarchivar Egbert Koppe der Kamera das Nitrofilmlager des Bundesarchivs im Brandenburgischen. Nitrozellulose ist das lange Zeit verwendete brennbare Trägermaterial des Films. Diese Filme sind explosiv, soll das wohl heißen. Aber diese Metapher zündet nicht – und das nicht nur, weil sie nicht stimmt (Nitrofilm wurde vor und nach der Nazizeit verwendet). Es sind keine verborgenen Meisterwerke dabei, die Filme transportieren ihre Ressentiments, seien es nun antipolnische wie bei Heimkehr, antibritische wie in Ohm Krüger oder antisemitische wie in Jud Süß und Der ewige Jude, auf einer Skala von suggestiv bis aufdringlich. Sie lügen genauso wie der Frontbericht in der »Deutschen Wochenschau«.

Man kann dem Film von Felix Moeller nicht vorwerfen, dass er die Botschaften der »Vorbehaltsfilme« verharmlost. Und er zeigt auch, auf welchen Boden diese Filme fallen können, wenn ein Zuschauer einer Vorführung im Münchner Stadtmuseum meint, von einem »Überfall auf Polen kann ja gar keine Rede sein«. Aber, der reißerische Titel deutet es ja schon an, dem Film geht es nicht nur darum, eine Diskussion anzustoßen. Die meisten Interviewten, Oskar Roehler, Götz Aly oder auch der jüdische Historiker Moshe Zimmermann, plädieren für die Freigabe der »Vorbehaltsfilme«. Sicherlich, es gibt einige Filme im Netz oder auf DVD aus dubiosen Quellen. Und man kriegt immer Applaus, wenn man auf »Zeigen« plädiert. Aber Stukas für 4,99 Euro als Sonderangebot neben den Einweg-Feuerzeugen im Supermarkt? Das ist nicht nur geschmack-, sondern auch verantwortungslos. 60 Mal läuft Jud Süß pro Jahr in einem Kino. Verboten kann man das jedenfalls nicht nennen.

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