Kritik zu Vater Morgana

© Warner Bros.

Deutsche Tragikomödien – gibt es das überhaupt? Till Endemann versucht sich an einer – mit Christian Ulmen und Michael Gwisdek in den Hauptrollen

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Christian Ulmen scheint zurzeit auf die Rolle des verhinderten Bräutigams abonniert zu sein. In »Maria, ihm schmeckt's nicht!« musste er sich durch das voreheliche Chaos einer italienischen Hochzeit kämpfen und in »Hochzeitspolka« wurde eine völkerverbindende Ehe in der deutsch-polnischen Grenzregion vereitelt. Nun spielt Ulmen in Till Endemanns »Vater Morgana« den Angestellten einer Sicherheitsfirma, der kurz davor ist, um die Hand der Tochter seines Chefs anzuhalten. Gerade will Lutz publikumswirksam auf der Betriebsfeier der schönen Polizeihauptkommissarin Annette (Felicitas Woll) einen Heiratsantrag machen, da platzt sein Vater herein.

Die unvermittelten Auftritte Walthers (Michael Gwisdek) haben Lutz immer wieder aus frisch geordneten Lebensbahnen geworfen, und auch mit dem Heiratsantrag wird es erst einmal nichts. Denn am nächsten Morgen überfällt der Alte einen Geldtransporter, für dessen Sicherheit Lutz verantwortlich zeichnet. Walther brennt mit einer Schachtel Diamanten durch, Lutz wird der Mittäterschaft verdächtigt und versucht, den Vater zur Rede zu stellen. Der leidet jedoch an Alzheimer und kann sich partout nicht erinnern, wo er die Beute versteckt hat.

»Vater Morgana« wurde von Douglas Welbat produziert, der schon »7 Zwerge – Männer allein im Wald« zu verantworten hatte. Der Humor fällt hier zwar nicht ganz so derbe aus, aber besonders sophisticated kommt diese sehr deutsche Komödie nun auch nicht daher. Jede Plotwendung in der überschaubaren Verwicklungskomödie wird weit im Voraus angekündigt und auch für die Zuschauer in der letzten Reihe gut sichtbar vollzogen. Keiner der Hauptdarsteller muss sich hier aus seiner Komfortzone herausbewegen. Christian Ulmen hat sich ohnehin seit seiner ersten Kinohauptrolle in Leander Haußmanns »Herr Lehmann« (2003) schauspielerisch kaum weiterentwickelt. Wilde Grimassen, Dackelblick, Teddybär-Charme – alles wie gehabt. Aber selbst Michael Gwisdek ruht sich in »Vater Morgana« auf seinen wohlverdienten Lorbeeren aus und gibt den kauzigen Alten mit allzu routinierter Exzentrik.

Gänzlich scheitert der Versuch von Regisseur Till Endemann (»Das Lächeln der Tiefseefische«) durch den Vater-Sohn-Konflikt und die Alzheimer-Krankheit, die sich ja als narrativer Kunstgriff im Kino seit einigen Jahren großer Beliebtheit erfreut, ein wenig emotionalen Tiefgang aufkommen zu lassen. Zum unfreiwillig komischen Höhepunkt dieser Bemühungen wird eine Szene, in der Gwisdek für die frisch ausgebuddelte Urne der Exfrau in der Friedhofskapelle Frank Sinatras »My Way« auf der Kirchenorgel intoniert. Tragikomik ist – das kann man z. B. bei Mike Leigh lernen – die hohe Kunst der Nuancierung und Balance der Emotionen. Endemann hingegen knallt die beiden Stimmungen wie zwei Bierkrüge nebeneinander auf den Tresen und hofft vergeblich darauf, dass sich die unterschiedlichen Gebräue im Magen des Zuschauers zu einem wohltuenden Kinoerlebnis vermischen.

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