Kritik zu Underwater Love

© Rapid Eye Movies

2011
Original-Titel: 
Onna No Kappa
Filmstart in Deutschland: 
27.10.2011
L: 
87 Min
FSK: 
16

Das Kölner Label Rapid Eye Movies ist in die Filmproduktion eingestiegen und hat zusammen mit dem japanischen Regisseur Shinji Imaoka, dem Kameramann Christopher Doyle und der Band Stereo Total ein Pink Movie realisiert. Und was ist das jetzt?

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Bei uns gilt »Pink« als Künstlername einer Musikerin oder zeitlose Modefarbe für Kleinkinder weiblichen Geschlechts. In Japan ist das anders; dort gibt es als Softcore-Subgenre des Pornos das sogenannte Pink Movie, das in den 1960er und 70er Jahren florierte und bis heute überlebt hat. Dabei gab es ähnlich wie beim B-Picture im Rahmen niedriger Budgets und erotisch-exploitativer Vorgaben im Vergleich zur etablierten Filmindustrie viel Freiraum, den besonders junge Filmemacher für den Einstieg ins Handwerk nutzten. Andererseits haben in den letzten Jahren vermehrt ehemalige Pink-Regisseure wie Kiyoshi Kurosawa oder Takahisa Zeze ihre Erfahrungen in der Industrie genutzt, um eigene anspruchsvollere Projekte zu realisieren.

Irgendwo dazwischen steckt Shinji Imaoka, der 1990 ein Studium für die Filmpraxis verließ und nach Regieassistenzen unter anderem für Zeze 1995 den ersten eigenen Film realisierte. 2008 kam mit seinem Liebestoll im Abendrot – Tasogare das erste Pink Movie ins deutsche Kino. Und während das Interesse in Japan zuletzt stagnierte, begann sich internationale Aufmerksamkeit zu regen. So entstand auch die Idee für diesen Film als erste eigene Produktion des Kölner Verleih-Labels Rapid Eye Movies mit Beteiligung renommierter Namen wie Christopher Doyle und dem Berliner Duo Stereo Total für die Musik.

Herausgekommen ist eine nicht nur visuell eher blassbunte Mischung aus Märchen, Musical, Sex und Todesromantik, die wie viele junge japanische Filme ihre Basis in einem Betrieb des fischverarbeitenden Gewerbes hat. Asuka, die dort arbeitet, ist mit dem Chef liiert und schmiedet Hochzeitspläne. Doch als Asuka gerade einen noch lebenden Fisch ins freie Hafenwasser entlassen will, taucht ein wundersames Wesen aus den Fluten. Es ist ein Kappa, eine Art gurkenfressender Wasserzombie mit Zottelhaar, Breitmaulfrosch-Teilmaske und Buckel: die Reinkarnation einer ertrunkenen Jugendliebe, die heftig in Asukas Leben drängt. Das gibt Ärger mit dem Bräutigam. Als dann auch noch ein Hippie-Zombie mit einer akuten Todesbotschaft auftaucht, flieht Asuka ins Gebirge, wo die Fabelwesen in einem Waldsee residieren und ihr eine kloßförmige »Analperle« als Zaubermittel gegen den Todesgott aufdrängen. Garniert ist der eher bedächtig inszenierte Plot mit zensurgemäß gesäuberten Kopulationsszenen. Sonst ist inhaltliche Substanz schwer auszumachen. Und auch die hübschen Songs, die laut Presseheft zu einer früheren Drehbuchversion getextet wurden, sind nicht wirklich sachdienlich und bleiben samt den allzu manierlichen Tanzeinlagen und Doyles luftiger Kamera dekorative Garnitur.

Ein grässlich reptiloid-gerillter Plastikpenis, billig kostümierte Fabelwesen und ein krude belangloser Plot: Das sind Dinge, über die man sich bei einem echten Genre-Flick aus den 60ern richtig freuen könnte, die aber in dieser prätentiös-kunst-trashigen Variante nur anöden. So ist das im Presseheft verkündete (und durchaus glaubhafte) Vergnügen der Beteiligten bei den Dreharbeiten wohl dort am Set zurückgeblieben. Im Kino kommt es jedenfalls nicht an.

 

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