Kritik zu Sushi – The Global Catch

© Neue Visionen

2011
Original-Titel: 
Sushi – The Global Catch
Filmstart in Deutschland: 
07.06.2012
L: 
75 Min
FSK: 
keine Beschränkung

Vor 30 Jahren noch kannten allenfalls Eingeweihte die Reis- und Rohfischmahlzeit aus Japan, heute gibt es Sushi im amerikanischen Hinterland genauso wie in osteuropäischen Metropolen. Ein Dokumentarfilm zum Phänomen

Bewertung: 4
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Nachdem man heutzutage praktisch in jedem Einkaufszentrum ein Sushi-Restaurant oder ein Sushi-Takeaway findet und Supermarktketten in ihren »Asia-Wochen « dies ebenfalls offerieren, kann kein Zweifel mehr daran bestehen, dass die japanische Spezialität ihren weltweiten Siegeszug als Massenspeisung angetreten hat. Das wirft die Frage nach der langfristigen Verfügbarkeit des (rohen Thun-)Fisches auf, der dessen zentraler Bestandteil ist. Dokumentarfilme, die die Ausbeutung der Meere thematisieren, waren in den letzten Jahren gleich mehrfach in deutschen Kinos zu sehen. Filme wie The Cove oder zuletzt Paul Watson – Bekenntnisse eines Öko-Terroristen stellten dabei auch den Widerstand dagegen in den Mittelpunkt und zeigten die Aktionen von Aktivisten, oft mit mobiler Handkamera verfolgt. Davon ist Sushi – The Global Catch weit entfernt. Der amerikanische Dokumentarist Mark S. Hall zeigt überwiegend talking heads und erzählt in einem ganz und gar unaufgeregten, nüchternen Stil. Das hängt sicherlich auch damit zusammen, dass alle, die in diesem Film zu Wort kommen, sich einig darüber sind, dass ein verantwortungsbewusster, ein »nachhaltiger« Umgang mit der Natur nottut.

Sushi – The Global Catch beginnt mit einer Feier des Handwerks. Kein Zufall dabei ist wohl, dass immer wieder die Zeit betont wird, die seine sorgfältige Verrichtung erfordert – sei es, dass in einem japanischen Restaurant der Lehrling erst lange Jahre niedere Arbeiten verrichten muss, bis er Sushi zubereiten darf, sei es, dass ein Sushi-Koch mit Michelin-Stern darauf verweist, dass er in vierter Generation das 1885 eröffnete Restaurant leite, oder dass ein Thunfischhändler erklärt, er übe diesen Beruf seit mittlerweile 54 Jahren aus. Als Kontrast dazu fungieren die nachfolgenden Szenen, die zeigen, wie »alle Welt auf den Geschmack kommt«. Das reicht von der »Tokyo Sushi Bar« im polnischen Lodz, deren Besitzer zuvor eine Pizzeria betrieb, bis zum Sushi-Chef in Austin, Texas (der Heimat des Regisseurs), wo wir nicht nur mit einer lokalen Sushi-Variante (mit texanischem Rindfleisch) bekannt gemacht werden, sondern auch mit der »Sushi Popper Roll«, bei der man die Sushi-Rolle in der Pappverpackung wie ein Stangeneis Stück für Stück hochschieben kann – eine zugegebenermaßen recht clevere, amerikanische Fast-Food-Variante, deren Erfinder lapidar erklärt: »Wir haben nur die vorhandene Begeisterung geweckt«.

In den USA findet der Film aber auch einen Greenpeace-Aktivisten, der in San Francisco das erste »nachhaltige« Sushi-Restaurant eröffnet hat – »Guilt-free sushi, that’s really our mission«, erklärt der nicht weniger überzeugt. Er liefert sich dann später mit einem Experten einen kurzen Schlagabtausch darüber, wie Nachhaltigkeit am besten herzustellen ist. Für Hagen Stehr, einen der reichsten Männer Australiens, geht das nur mit gezüchtetem Thunfisch, den er in selbst finanzierten Labors vorbereitet und überwacht.

Ein »Umdenken« ist notwendig, darüber sind sich alle der in diesem Film zu Wort Kommenden einig, zumal große Märkte wie China und Indien Sushi gerade erst entdecken. »The choice is yours«, lautet der letzte Satz dieses informativen Films.

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