Kritik zu Sucker Punch

© Warner Bros.

Mädchen in Schuluniformen: Zack Snyder beleiht in seinem neuesten Streich die Welt der Mangas mit ihrem Niedlichkeitswahn, der sich wie selbstverständlich mit sexuell aufgeladenem Militarismus in einer apokalyptischen Alptraumwelt vermengt

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Regisseur Zack Snyder suchte sich bislang immer von Konsequenz geprägte Vorlagen für seine Filmprojekte. Mit seinem George A. Romero-Remake »Dawn Of The Dead« (2004) aktualisierte und revitalisierte er das Zombiegenre. Die auf einem Schlachtengemälde von Comicautor Frank Miller basierende, kraftvoll verführerische Gewaltfantasie »300« von 2006 kam als testosterongeschwängerte Mischung aus Realfilm und Computeranimation daher. »Watchmen – Die Wächter« aus dem Jahr 2009 war die auserzählte und bildgetreue Adaption des gleichnamigen Comicmeilensteins, in dem Autor Alan Moore das Superheldengenre in der Realität verankerte und gleichzeitig demontierte. »Sucker Punch« ist wieder so ein ausgesprochener Jungsfilm und basiert zur Abwechslung mal nicht auf einer originären Vorlage. Erstmals inszeniert Snyder eine von ihm gemeinsam mit Steve Shibuya entwickelte Story, ohne die Erwartungshaltung einer Fangemeinde befriedigen zu müssen.

Allerdings schimmert unter dem Plot deutlich das Skelett von Lewis Carrolls »Alice im Wunderland« hindurch: Babydoll (Emily Browning) wird von ihrem bösen Stiefvater in eine alptraumhafte Irrenanstalt – stilistisch eine Mischung aus Mädcheninternat und Ballerina-Bordell – eingeliefert, wo ihr die Lobotomie droht. Gemeinsam mit vier anderen sexy Mädchen, die auf so drollige Namen hören wie Sweet Pea, Rocket, Blondie und Amber, flieht sie aus der grausamen Realität in eine Fantasiewelt, in der nichts für sie unmöglich ist. Dort bezwingen die selbstbewussten Nymphen mit Schwertern mächtige Samuraigeister, feuerspeiende Fantasydrachen, steuern einen klobigen Kampfroboter mit dem Antlitz eines rosa Zeichentrickhäschens und zersieben mit ihren handlichen Schnellfeuerwaffen böse Naziroboterzombies.

Es sind vor allem der japanischen Nerd- und Videospielkultur entlehnte Szenarien, die Snyder in seinem visuell überbordenen Actionspektakel bemüht. Hübsche Mädchen in knappen Uniformen hantieren schlafwandlerisch selbstsicher mit todbringenden Mordwerkzeugen. Japanisch verwurzelter Niedlichkeitswahn vermengt sich nur allzu selbstverständlich mit sexuell aufgeladenem Militarismus in einer apokalyptischen Alptraumwelt. Leider fühlt sich Snyder auch dramaturgisch den Gesetzen der Games verpflichtet. Er verzichtet fast ganz auf eine Exposition, die seinen reizenden Sexpüppchen etwas Tiefe und Glaubwürdigkeit verleihen würde, und reiht einen optisch spektakulären Höhepunkt an den nächsten.

Überlagert werden die tricktechnisch opulenten »Levels« von bekannten Popsongs. »Sucker Punch« schrumpft so zu einem zweistündigen Musikclip zusammen. Schillernder, aber auch ermüdender Popeskapismus, bevölkert von abziehbildhaften Protagonisten. Männer sind blutverkrustete Dreckschweine, Mädchen verruchte Kung-Fu-Topmodels. Die Konsolengeneration mag sich in der Bildästhetik und Dramaturgie von Videogames zu Hause fühlen. Nostalgisch veranlagte Cineasten, die echtes Kino sehen wollen, werden sich in »Sucker Punch« hilflos und verloren fühlen.

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