Kritik zu Small Town Killers

© DCM

2017
Original-Titel: 
Small Town Killers
Filmstart in Deutschland: 
06.07.2017
V: 
L: 
90 Min
FSK: 
12

Zwei frustrierte Ehemänner in der dänischen Provinz heuern einen russischen Auftragskiller an, um sich ihrer Frauen zu entledigen. Schwarze Komödie in der Tradition der »Dänischen Delikatessen« mit Ulrich Thomsen

Bewertung: 2
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Eigentlich könnten sie glücklich sein: als Handwerker sind Edward und Ib ihre eigenen Herren, die zudem ihre Kunden fest im Griff haben – mucken die einmal auf, weil es ihnen zu langsam geht, dann können sie sie immer daran erinnern, dass ja Schwarzarbeit ohne Rechnung erwünscht war, und schon herrscht wieder Ruhe. Glücklich sind die beiden aber eben nur bei der Arbeit, ihr Eheleben ist von den üblichen Problemen gekennzeichnet – verkürzt gesagt: die Männer wollen Sex, die Frauen wollen Kinder. Die Idee, sich scheiden zu lassen, verwerfen die beiden Männer ganz schnell wieder, nachdem ihnen ein Anwalt ausgerechnet hat, wie viel den Frauen zusteht, und Edward zudem damit konfrontiert wird, dass seine Frau weiß, dass er im Keller einen Kühlschrank voller Schwarzgeld hat.

Aber wie entkommt man einer solchen Lage, wenn man in der dänischen Provinz von Nordjütland lebt, in einem Ort namens Nibe, von dem Edward einmal meint, man würde ihn nicht einmal mit Google Earth finden? Zunächst einmal besäuft man sich und lässt im Suff seinen Fantasien freien Lauf. Nur, dass Edward sie dann in die Realität umsetzt, als er, noch nicht wieder nüchtern, im Internet einen russischen Auftragskiller anheuert, um sich der beiden Ehefrauen zu entledigen. Das kann nicht gutgehen, weiß der Zuschauer, dazu braucht es nicht erst der Ankunft des sturzbetrunkenen Igor und der Tatsache, dass dieser den beiden Opfern – nicht wissend, wer sie sind – von seinem Auftrag erzählt.

Schwarzhumorige Komödien aus Dänemark sind so etwas wie ein Markenzeichen, gewissermaßen »Dänische Delikatessen«, wie der deutsche Verleihtitel von Anders Thomas Jensens Film lautete, in dem ein Brüderpaar ihren schlecht gehenden Metzgerladen durch ein neues Angebot belebte. Jensen hat mit »Adams Äpfel« und »Men & Chicken« in derselben Richtung weitergearbeitet, aber das Genre nicht für sich gepachtet. Ole Bornedal, bekanntgeworden mit »Nachtwache« (1994), von dem er drei Jahre später auch das US-Remake »Nightwatch« mit Ewan McGregor inszenierte, hat dazu mit »Alien Teacher« und mit »Deliver Us from Evil« ebenfalls Beiträge geleistet.

In »Small Town Killers« inszeniert er den Krieg der Geschlechter als Farce, mit Figuren, denen der Zuschauer keine große Sympathie entgegenbringen kann, die Männer fast schon bemitleidenswert in ihrer Engstirnigkeit, die Frauen von ausgesuchter verbaler Boshaftigkeit gegenüber ihnen. Einzig dem russischen Killer gesteht der Film eine Entwicklung zu, vom Dauerbesoffenen zum erfolgreichen Paartherapeuten. Wer politische Inkorrektheit als positiven Wert betrachtet, wird sich bei dem Film vielleicht amüsieren können, ansonsten bleibt er, trotz des sehenswerten Spiels der Darsteller (angeführt von Ulrich Thomsen), ein eher schales Vergnügen. Nur einmal, als Ib sich fragt, warum sie (vor allem Edward) einen spastisch gelähmten Kellner immer wieder piesacken, bekommt der Film eine andere, selbstreflektorische Ebene.

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