Kritik zu Schändung

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Ein Thriller, der im Milleu der teuren Privatschulen, der Schlösser- und Gutsbesitzer spielt und dort nicht Opfer, sondern Täter findet: Regisseur Mikkel Norgaard hat nach Erbarmen nun den zweiten Roman von Jussi Adler-Olsen verfilmt

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3 (Stimmen: 2)

Schändung führt uns in die Welt der Privatschulen für Wohlhabende. Doch dort, wo es keinen Mangel gibt, und Geld und Wege zum Rausch in unbegrenzter Vielfältigkeit vorhanden sind, bleibt dennoch jene Lücke, die der Wunsch nach Grenz­erfahrungen hinterlässt. Auf der Suche nach sich selbst also gehen zwei Jungen über das hinaus, was Moral und Anstand vorgeben. Ihr Ziel ist nichts weniger als eine Allmachtsfantasie. Immer Sonntags, wenn in der Schule Freizeit herrscht, gehen sie los, spülen verschiedenste Drogen mit Cognac runter und verprügeln, vergewaltigen und quälen Mitschüler, Rentner und auch Lehrer. Bei einem Überfall auf ein Zwillingspaar wird einem der Jungen die Maske runtergerissen, woraufhin die Geschwister sterben müssen. Der Fall wird mit einem Bauernopfer geklärt. Nur der Vater der Zwillinge, in seinem Kummer gefangen, recherchiert unermüdlich weiter. 20 Jahre lang. Als er von Carl Mørck und seinem Sonderdezernat Q für ungeklärte Fälle hört, wendet er sich hilfesuchend an ihn. Am folgenden Tag wird er tot in seiner Badewanne gefunden. Damit fallen Vergangenheit und Gegenwart zusammen und Carl Mørck und sein syrischstämmiger Kollege Assad beginnen mit den Ermittlungen. Das Ende ist, so kann man getrost verraten, zufriedenstellend.

Jussi Adler-Olsen ist mit seinen Büchern inzwischen zum erfolgreichsten dänischen Schriftsteller aufgestiegen. Das krud-witzige Paar Carl Mørck / Assad hat seine Fans; die Fälle sind, wie in Skandinavien üblich, von ausgesuchter Brutalität. Mikkel Nørgaard, der zuletzt einige Folgen der erfolgreichen dänischen TV-Serie Borgen – Gefährliche Seilschaften inszenierte, versteht sein Handwerk. Er schwelgt in den dunklen Bildern psychischer Abgründe, lässt Schreie buchstäblich durch Mark und Bein gehen und findet in den Gesichtern eine verzerrte Brutalität, die Opfer und Täter von vornherein trennt.

So ist Schändung wie sein Vorgänger Erbarmen ein schnörkelloser und atmosphärisch dichter Thriller, der die Fans der Buchvorlage allerdings enttäuschen wird. Allein schon deshalb, weil das Ermittlerteam Carl Mørck und Assad so eindimensional dem Typus harter Bulle entspricht. Sie kümmern sich nicht um Chef und Gesetz, prügeln und schießen, wie es ihnen passt und kommen doch ans Ziel. Anders als die geistvollen Dialoge im Buch und dem immer auch witzigen Miteinander der beiden dort, bleiben sie hier farblos. Ganz anders als zum Beispiel der Ermittler Luther der gleichnamigen englischen Krimiserie, der raue Gesetzlosigkeit mit intelligentem Charme aufwiegt. Und dann ist der Fall selbst auch nicht differenziert genug. Die sogenannte Wohlstandsverwahrlosung als Urgrund, eine deformierte menschliche Psyche als Motor und eine permissive Gesellschaft, die Verbrechen in jeder erdenklichen Brutalität ermöglicht, mag für einen Serienkrimi genug sein. Für einen Kinofilm reicht das nicht. Zu oft gesehen, zu deutlich gehört hat man all das, was Mikkel Nørgaard hier inszeniert.

... zur Filmkritik von Erbarmen

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