Kritik zu Salmas Geheimnis

© Kinostar Filmverleih

Der Mexikaner Carlos E. Gutiérrez Medrano webt eine weitere Geschichte um den Tag der Toten. Das Neue: Er wählt ein Mädchen als mutige Heldin

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Vor zwei Jahren wurde die Pixar-Animation »Coco – Lebendiger als das Leben« zu einem Überraschungserfolg. Dieser Film über den kleinen mexikanischen Jungen, der am 2. November, dem Dia de Muertos, auf der Suche nach seinem Ur-Ur-Großvater ins Reich der Toten reist. Damit geriet auch dieser mexikanische Feiertag, an dem in Mexiko der Toten gedacht wird, hierzulande ins Bewusstsein – als bunte, sehr viel spielerische Variante unseres Allerheiligen (1. November) oder Allerseelen, eben dem 2. November. Die Mexikaner Jorge Gutiérrez und Oscar-Preisträger Guillermo del Toro (als Produzent) hatten sich bereits 2014 mit »Manolo und das Buch des Lebens« des Themas angenommen. Nun also ist es der Mexikaner Carlos E. Gutiérrez Medrano, der sich zum Dia de Muertos eine Geschichte ausgedacht hat und diese mal knallbunt, mal düster und vor allem actionreich inszeniert – mit einem Mädchen als Hauptfigur.

Die Geschichte ist, wie auch schon in den Vorgängern, ein wenig verworren. Salma lebt als Waisenkind bei Nana, einer alten, kompakten Dame mit praktischer Kurzhaarfrisur in Grau-Violett. Seit klein auf hat sie dem Mädchen verboten, am 2. November einen Altar für seine Eltern zu bauen, die es niemals kennengelernt hat. Man erzählt ihr, sie sei ausgesetzt worden. Außerdem leben Pedro und Jorge bei Nana, zwei Brüder, ebenfalls verwaist. Ihre Eltern allerdings haben sie noch in Erinnerung. Sie dürfen ihrer gedenken. Irgendwann, mit 16, widersetzt sich Salma des Verbotes. Sie will endlich dem Geheimnis ihrer Eltern auf die Spur kommen und macht sich am 2. November gemeinsam mit Jorge und Pedro auf den Weg ins Reich der Toten. 

Eigentlich ist der Weg am Dia de Muertos andersherum: Die Verstorbenen besuchen ihre Hinterbliebenen auf Erden. Doch das Reich der Toten bietet mehr Raum für fantasievolle und abgedrehte Geschichten. 

»Ich habe keine Lust mehr auf all die Neins« lässt Medrano Salma gleich mehrmals sagen und zeichnet damit ein selbstbewusstes, mutiges Mädchen noch dazu mit ungewöhnlichen Fähigkeiten nach, das sich aus alten Zwängen und Rollenbildern befreit. Mit Wespentaille, dem runden Po und den riesigen Brüsten erinnert sie mit­unter an Lara Croft. So wie der Filmemacher überhaupt mit Anspielungen auf einige Klassiker spielt: Jorge und Pedro könnten mit ihren Cowboy-Outfits gerade der »Toy Story« entsprungen sein, mit einer Eisenbahn à la »Polarexpress« rasen sie durch die Lüfte und die antike Mauer zum Reich der Toten öffnet sich wie bei »Indiana Jones«. Das wird wohl vor allem erfahreneren Kinogängern Spaß machen, für das jüngere Publikum (ab sechs Jahren) dürften die herumirrenden Skelette ganz schön angsteinflößend sein.

Am Ende soll wohl »Salma« wie schon »Coco« den jungen Zuschauern die Angst vor dem Tod nehmen. Denn wer in den Erinnerungen weiterlebt, ist unsterblich, so lautet die Botschaft. Und natürlich feiert auch Salmas Geheimnis die Kraft und den Zusammenhalt der Familie, auch wenn sie streng genommen nicht verwandtschaftlich zusammengehört. Etwas düsterer und weniger pointenreich erzählt Medrano davon. Aber er erobert damit ein ur-mexikanisches Sujet für sein Land zurück – auch ein politisches Zeichen in einer Zeit, in der eine Mauer Mexiko von den USA trennt.

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