Kritik zu Porto

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In einem seiner letzten Filme spielt der früh verstorbene Anton Yelchin einen melancholischen Drifter, der in der Hafenstadt Porto eine bezaubernde Französin trifft

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Gabe Klingers Spielfilmdebüt »Porto« ist ein seltsamer Hybrid von einem Film. Eine Mischung aus Experiment und Erzählung; eine überdeutliche Hommage an filmische Vorbilder und doch etwas Eigenes; ein kurzer Film über eine flüchtige Affäre und zugleich eine Reflexion über das »epische« Gefühl der Liebe. Es geht um zwei Ausländer in der portugiesischen Küstenstadt Porto, den jungen Amerikaner Jake (Anton Yelchin) und die Französin Mati (zauberhaft: die Newcomerin Lucie Lucas). Wir erfahren in Rückblicken, dass sie einen One-Night-Stand hatten. In Jake setzt diese Nacht unerwartet starke Gefühle frei, und auch für Mati scheint die intensive Begegnung mehr als nur schneller Sex zu sein. Aber ein Paar, so viel weiß man von Beginn an, sind sie trotzdem nicht geworden.

Klinger erzählt diese Geschichte einer Nacht nicht linear, sondern verschachtelt und fragmentarisch, als beobachte man ­Erinnerungsfetzen der beiden Protagonisten. Zwischentitel geben eine Unterteilung in die Perspektiven von Mati und Jake vor, nur um diese dann doch wieder zu durchbrechen. Auch die experimentelle Arbeit mit unterschiedlichem Filmmaterial (8 mm, 16 mm, 35 mm) für die unterschiedlichen Zeit- und Handlungsebenen suggeriert eine Orientierung, die man immer wieder verliert. In seinen stärksten Momenten hat »Porto« etwas vom Traum eines anderen Menschen, den man auf wundersame Weise beobachten kann und dessen Zusammenhänge sich erst ganz allmählich erschließen. Den Höhepunkt bildet dabei eine längere Sexszene, deren ganz und gar natürlich wirkende Sinnlichkeit ihresgleichen sucht. Hier gelingt es Klinger und seinen Schauspielern, die emotionale Anziehung von Jake und Mati in pure Körperlichkeit zu übersetzen.

In anderen Szenen dagegen hat das Bemühen um Sinnlichkeit und formale Komplexität etwas Bemühtes. Sein Regiedebüt gab Klinger, der eigentlich aus der Filmwissenschaft kommt, mit dem Dokumentarfilm »Double Play: James Benning and Richard Linklater« – und bisweilen sieht »Porto« aus wie der Versuch eines überambitionierten Studenten, die Qualitäten seiner Vorbilder zu imitieren. Die »Inspiration« durch »Before Sunrise« ist so augenfällig wie die Bezüge zu Benning oder zu Manoel de Oliveira und Chantal Akerman (beiden wird im Abspann gedankt).

Aber trotz dieser etwas akademischen Anmutung und obwohl Klinger kein großes Gespür für den Spielort seiner Geschichte hat (wir könnten auch in Marseille oder Neapel sein), wirkt »Porto« dank der Summe seiner schönen Details am Ende doch überraschend berührend. Gerade durch die nicht immer ganz sicher gesetzten Brüche in der Linearität, durch das Sprunghafte und enervierend Mäandernde der Regie entwickelt sich ein Gefühl für die ­Unmöglichkeit der Liebe zwischen Jake und Mati, für diese diffuse Melancholie, kurz bevor der richtige Kummer einsetzt. Dass Klinger die Geschichte trotzdem mit einem leisen Glücksmoment seines Beinahepaares enden lässt, zeigt auf feine Weise aber auch, dass man den Traum von der Liebe niemals aufgeben soll.

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