Kritik zu Nichts geht mehr

© Alpha Medienkontor

2007
Original-Titel: 
Nichts geht mehr
Filmstart in Deutschland: 
08.05.2008
Heimkinostart: 
23.07.2009
L: 
87 Min
FSK: 
12

In Florian Mischa Böders Spielfilmdebüt fliehen zwei aktionismusverliebte Brüder aus dem heimatlichen Bochum nach Hannover

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»Bochum, ich komm' aus dir! / Bochum, ich häng' an dir!« Das war Herbert Grönemeyer. Sein Song war eine Liebeserklärung an die »Blume im Revier«. Von solchen Gefühlen sind die beiden Brüder Konstantin (Jörg Pohl) und August (Jean-Luc Bubert) vollkommen frei. Für die Helden aus Florian Mischa Böders Spielfilmdebüt »Nichts geht mehr« ist Bochum lediglich ein Experimentierfeld.

August, Ende 20, verführt seinen jüngeren Bruder dazu, ein anarchisches Statement abzugeben. Nachts schwärzen sie alle wichtigen Ampeln in der Stadt; am nächsten Tag ist Bochum lahmgelegt. August und Konstantin haben eine Botschaft auf die Straße gemalt: »Nichts geht mehr«, gezeichnet »AKB«. Die Brüder sind entfernte Verwandte von Hans Weingartners Figuren aus dessen Erfolgsfilm »Die fetten Jahre sind vorbei«.

Böder ist aber im Unterschied zu Weingartner vollkommen unpolitisch. Bei ihm speist sich die Rebellion aus einem Gefühl von Verlorenheit in der erlebnisarmen Erwerbsgesellschaft. Der 1974 in Hannover geborene Böder ist für Regie und (mit Alexander Pelluci) Drehbuch verantwortlich. Er schickt den Brüdern die Polizei auf den Hals, ihre Flucht führt sie ausgerechnet nach Hannover. Dort lernen sie im Kreise ebenfalls skurriler Anarchos das Leben im Untergrund kennen.

Auch die niedersächsische Hauptstadt soll leiden: Die Aktivisten wollen das Stromnetz lahmlegen. Hannover dient außerdem als Kulisse für die Liebeserfahrungen der subversiven Bochumer. Auftritt Nadja Bobyleva (Marit) und Susanne Bormann (Hanna), sie bringen Charme ins Spiel. Ergun Cankayas Kamera arbeitet bevorzugt in fahrenden Autos und düsteren Innenräumen. Die Außenwelt ist weitgehend ausgeblendet. Es mangelt dem Film allerdings erheblich an jenem subversiven Elan, den seine Hauptfiguren verkörpern sollen. Nichts geht mehr kommt nur langsam in Gang, und dann lasten die Sinnfragen der aktionistischen Brüder schwer auf dem komödiantischen Unternehmen. Konstantin beginnt immer mehr, die »Spaßaktionen« auf ihren tieferen Sinn zu untersuchen.

Am besten funktioniert das Werk, wenn es Charaktere kontrastiert und Persönlichkeiten spiegelt. Buberts August ist ein hemmungsloser Spaß-Sponti, ihm tut nichts weh, weil ihn Selbstzweifel nie erreichen. Jörg Pohl hingegen ist rein äußerlich betrachtet der exakte Gegenentwurf zum älteren Bruder: mit braver Frisur, Manieren und einem gewinnenden Lächeln. Ein bisschen verklemmt erscheint er auch, vor den AKB-Aktionen muss er erst einmal eine ethische Beißhemmung ablegen. »Mach dich mal locker«, ermahnt ihn sein Bruder refrainartig. Wenn Jörg Pohl als Konstantin unter Einfluss von Alkohol oder Drogen den festen Boden unter den Füßen verliert, ist er wunderbar komisch. In diesen Augenblicken triumphiert der Film über seine vorhersehbare Dramaturgie und sein betuliches Tempo.

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