Kritik zu Namaste Himalaya – Wie ein Dorf in Nepal uns die Welt öffnete

© Mindjazz Pictures

2022
Original-Titel: 
Namaste Himalaya – Wie ein Dorf in Nepal uns die Welt öffnete
Filmstart in Deutschland: 
11.08.2022
L: 
93 Min
FSK: 
Ohne Angabe

Beinahe wäre es ein konventioneller Reisefilm geworden. Dann brach die Pandemie aus. Michael Moritz und die Filmemacherin Anna Baranowski blieben in einem kleinen Dorf in Nepal stecken. Und kamen der anderen Kultur näher

Bewertung: 4
Leserbewertung
5
5 (Stimmen: 1)

»Es ist schön«, sagt Michael Moritz in seinem Film, »wenn der Begriff Zuhause nicht mehr an vier Wände gebunden ist, sondern an ein Gefühl«. Alles begann damit, dass er mit einem Freund per Rad zum Nordkap fahren wollte, begleitet von der Filmemacherin Anna Baranowski. Aber das Leben lässt sich oft nicht berechnen, und so kamen sich Michael und Anna näher, verliebten sich und änderten ihre Pläne. Sie ließen die Fahrräder in Norwegen stehen und fuhren mit der Transsibirischen Eisenbahn bis Peking. Von dort ging es quer durch Asien, bis Anna schweren Herzens einen Flug nach Hause nehmen musste. Fünf Monate reiste Michael allein und wurde selbst zum Filmemacher, bis die beiden sich in Pokhara, einer kleinen Stadt in Nepal, wieder trafen. Einen Monat hatte sich Anna Zeit genommen für ihren Freund und das inzwischen gemeinsame Projekt. Doch dann kam Corona, und aus vier Wochen wurde ein halbes Jahr. Während in Deutschland alles abgesagt wurde, entschloss sie sich, in Nepal zu bleiben. Gerade noch gelang es dem Paar, dem scharfen Lockdown in der Stadt zu entkommen. Sie flohen auf den Schleichwegen der Sherpa in ein kleines Dorf. Die Rückholaktion des Auswärtigen Amtes ließen sie verstreichen. 

Der Film beginnt wie viele dieser Filme, die sich nichts vornehmen, die nur eine ungewöhnliche Reise dokumentieren, zu Fuß, mit dem Rad oder dem Motorrad quer durch die Welt. Doch das, was diesen Film eigentlich hätten scheitern lassen müssen, die unbeherrschbare Pandemie, rettet ihn. In dem Moment, in dem aus dem Roadmovie beliebiger Bewegungen ein erzwungener Stillstand wird, gewinnt der Film an Konzentration. Und so steht am Ende die Erkenntnis, dass man nicht weit reisen muss, um die Welt zu entdecken. Auf der Suche nach der Distanz, der Entfernung von dem, was vertraut ist, fand Michael weniger sich selbst als vielmehr viele andere. Und mit diesen Menschen auch viele Wahrheiten. Erst im Innehalten erfahren beide, Anna und er, dass das, was sie trennt, sie einander näher bringt. Dass dies aber auch für zwei Kulturen gilt, die wohleingerichtete deutsche und die arme, gleichzeitig erstaunlich ausbalancierte nepalesische, das war die eigentliche Überraschung. Nun sitzen die beiden einsam in ihrer Hütte und beginnen, Teil des Dorfes zu werden. Sie helfen bei Saat und Ernte, essen und sprechen mit den Menschen vor Ort, für die sie Millionäre sind. Doch der Lockdown macht alle gleich. Mit ungeheuer poetischen Bildern und einem durchdachten, fast literarischen Off-Text dokumentieren die beiden den Alltag im Dorf und den Zauber der Natur, zu der das Coronavirus irgendwie auch gehört. Das Buch von Michael Moritz, das dem Film zugrundeliegt, heißt  »Namaste Corona!«. Dass daraus nun »Namaste Himalaya« geworden ist, hat nicht nur mit der abschreckenden Wirkung des Worts Corona zu tun, sondern zeigt, wie unwichtig das Virus wird, wenn man die größeren Zusammenhänge erkennt. Und die haben die beiden in dem kleinen Dorf gefunden. Der Film ist ihrer Tochter gewidmet. Auch das ein Ergebnis der erzwungenen Selbstbezüglichkeit im Lockdown.

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