Kritik zu Mitternachtszirkus

© Universal Pictures

2009
Original-Titel: 
Cirque du Freak: The Vampire's Assistant
Filmstart in Deutschland: 
07.01.2010
L: 
109 Min
FSK: 
12

Wer nicht begreifen kann, weshalb die Kombination aus Vampir- und Teenagerfilm derzeit so in Mode ist, der wird auch aus dem neuesten Werk von Paul Weitz (»American Pie«) nicht klüger

Bewertung: 2
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Paul Weitz ist bislang als Regisseur unter anderem von Filmen hervorgetreten, die vornehmlich um Teenagernöte kreisen. So behandelte »American Pie« (1999) das Heranwachsen auf frivol-komische Weise, »About a Boy« (2001) schilderte eine nicht enden wollende Jugend eher melancholisch-sentimental, »Mitternachtszirkus« erzählt nun von der pubertären Identitätssuche im aktuell äußerst attraktiven Gewand des Vampirfilms. Der Film nach dem Jugendbuch des britischen Autors mit dem Pseudonym Darren Shan setzt ganz offensichtlich auf den Erfolg im Fahrwasser der »Twilight«-Serie.

Protagonist von »Mitternachtszirkus« ist ein Junge namens Darren, der sich selbst zu Beginn als Off-Erzähler einführt: auf seiner eigenen Beerdigung. Dieser nicht unironische Ton schafft einen recht angenehmen Kontrast zum Pathos der Gothic-Kultur, die hier das Setting für die Renaissance des Vampirs im Kino liefert. Darren (Chris Massoglia) ist ein streb- und folgsamer Schüler. Schlechten Einfluss übt auf ihn nur Freund Steve (Josh Hutcherson) aus, der aus prekären Verhältnissen kommt und die Sehnsucht nach einer intakten Familie mit Bösartigkeit ausagiert. Beiden erscheint die Einladung zur Titel gebenden Freakshow sehr attraktiv, die als Reservat domestizierter Vampire zu erkennen ist, und beide wollen Teil dieser Welt mit Schaustellern alter Schule (Mann mit zwei Bäuchen, Mr. Tall, Frau mit Bart, Affenmädchen) werden: Während der dunkle Steve offensiv um Aufnahme unter die Blutsauger bittet, entwendet Darren dem verdeckten Vampir Larten Crepsley (John C. Reilly) seine magische Spinne, die im Schulhaus bald für Aufregung sorgt.

»Mitternachtszirkus« begreift Vampirismus als Möglichkeit zur Dissidenz. Der brave Darren entscheidet sich auch deshalb für die Beendigung seiner bürgerlichen Existenz, weil er sich vom Leben mehr wünscht als College, Beruf, Familie. Der Schritt auf die Nachtseite der Welt ist aber nicht durch egoistisches Abenteurertum motiviert (das bleibt Steve vorbehalten): Darren opfert sich vielmehr für den von der Spinne gebissenen Freund.

Dieser Altruismus erinnert nicht zufällig an Superheldencomics, in denen das Privileg einer bestimmten Fähigkeit immer an deren verantwortungsvollen Gebrauch gekettet ist. »Mitternachtszirkus« stellt diesen Konflikt aus durch Differenzierung im Blutsaugermilieu. Es gibt hier die guten Vampire – die in einer Art zivilisatorischem Fortschritt von ihrer markantesten Alltagspraxis gelassen haben – und da die bösen Vampyre – die weiterhin dem Drang nach menschlichem Blut folgen. Zwischen beiden Lagern bricht nun, wie es heißt, »Krieg« aus. Mit dessen Ausgang, und das macht den Film zu einem schalen Vergnügen, ist aber erst in einem folgenden Teil zu rechnen: Unverhohlen gibt sich »Mitternachtszirkus« als Auftakt zu einer Saga.

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