Kritik zu Manhattan Queen

© Tobis Film

Jennifer Lopez im Zentrum einer nur scheinbar klassischen »Romcom« um eine Frau aus einfachen Verhältnissen, die mit über 40 noch mal die Chance auf eine große Karriere nutzen will

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»Manhattan Queen« gehört zu jener Sorte Liebeskomödie, wie sie heute eigentlich nicht mehr gemacht werden, zumindest nicht mehr fürs Kino: ein Film mit unerheblicher Handlung, deren Ende von Beginn an absehbar ist, mit einer gut abgestimmten Mischung aus witzigen und gefühlvollen Elementen und ganz um seinen charismatischen Star herum gebaut. Anders ausgedrückt ist »Manhattan Queen« ein guter Beleg dafür, dass man sich in Hollywood wohl noch daran erinnert, was den Charme einer gelungenen »Romcom« ausmacht, dass diese Erinnerung aber zu verblassen droht.

Der deutsche Verleihtitel (im Original heißt der Film »Second Act« nach der zweiten Chance, die Lopez' Figur im Film bekommt) versucht ganz offensichtlich, die Zuschauer des Jennifer-Lopez-Vehikels von 2002, der »Manhattan Love Story«, abzuholen. Außer dem Setting in New York und ihrer Hauptdarstellerin haben die Filme aber nichts gemeinsam. Lopez verkörpert diesmal Maya, eine stellvertretende Verkaufsleiterin in einem Kaufhaus in Queens, die sich mit über 40 am Arbeitsplatz einmal mehr übergangen fühlt, als nicht sie, sondern ein Mann den Chefjob bekommt. Ihr fehlt es an Schulabschlüssen, ihre Lebenserfahrung beziehungsweise »street smartness« allein reicht für die ersehnte Promotion nicht aus. Da mischt sich der Sohn ihrer Freundin Joan (Leah Remini) ein; er kreiert für Maya ein Social-Media-Profil mit Studium an den besten Universitäten, glänzender Unternehmenskarriere und Fotos, die sie an der Seite der Obamas zeigt. Prompt erhält sie ein Angebot von einer angesehenen Kosmetikfirma, die sie als Beraterin für eine neue Bio-Produktlinie haben möchte. Zunächst noch im Unwissen über die Social-Media-Manipulationen nimmt Maya die Herausforderung an. Dann passiert etwas Seltsames. Statt des vertrauten Wegs ins Chaos der Missverständ­nisse, zufälligen Enthüllungen und Verdächtigungen nimmt der Film schon nach einer halben Stunde eine völlig überraschende Wendung: Maya sieht sich am neuen Arbeitsplatz mit der Tochter konfrontiert, die sie einst als 16-jährige Mutter zur Adoption freigab. Was dabei vielleicht am meisten überrascht: Mit dieser Wendung spielt der Film nicht lange Versteck, sondern kaum dass Zoe (Vanessa Hudgens) im Bild ist, wird das Geheimnis ihrer Adoption auch schon aufgedeckt.

So angenehm es ist, dass an dieser Stelle der Plot einmal nicht durch Verschweigen in die Länge gezogen wird, kehrt ab da doch eine gewisse Unwucht in die Filmerzählung ein. Einerseits gibt es das bewegende, von Konflikten nicht freie Kennenlernen von Mutter und Tochter, andererseits ist da der läppische Plot um die Erfindung einer Bio-Creme, mit der Maya sich im neuen Job bewähren soll. Wenn sie am Nachmittag noch aufwühlende Gespräche mit der Tochter führt, navigiert sie sich abends per »Ear­piece« durchs Arbeitsdinner auf Chinesisch. Lopez gibt ihr Bestes, um zusammenführen, was nicht zusammenpasst, aber um sie herum, im einfallslosen Drehbuch und einer uninspirierten Regie, erkennt man deutlich, wie wenig Mühe heute auf »Filme wie diese« verwandt wird.

Meinung zum Thema

Kommentare

So ein chaotischer Film. Keine Romantik. Keine Spannung
Grottenschlecht

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